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Mittwoch, 23. September 2009
Osteopathie statt Operation
Eine angerissene Bizepssehne, ein doppelter Rippenbruch, zahlreiche Unfälle: Ferdinand Stracke hat sich im Laufe seiner 71 Jahre viele Blessuren zugezo-gen. Die Folge: Im Alter war seine Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und er hatte immer Schmerzen in der Schulter. Mit Hilfe der Osteopathie hat er eine Schulteroperation verhindern können.
Der Unfall passierte vor 20 Jahren in einem abgelegenen Dorf im französi-schen Hochgebirge. Ein falscher Griff, ein heftiger Schmerz, die rechte Schul-ter war nach kurzer Zeit schwarz und blau und kein Arzt weit und breit. So blieb die Verletzung unbehandelt. Erst später erfuhr Ferdinand Stracke, dass er sich bei dem Unfall die Bizepssehne zum Teil abgerissen hatte. Festgestellt hat das ein Masseur – Jahre danach und damit viel zu spät für eine Behand-lung der Sehne.
Aber es hat lange gedauert, bis Ferdinand Stracke die Auswirkungen dieser Verletzung richtig gespürt hat. In den ersten Jahren hat seine Lebensqualität nicht wesentlich gelitten. „Ich hatte einen Kräfteverlust im rechten Arm, aber keine Bewegungseinschränkungen“, erklärt er. Mit den Jahren hat sich das aber drastisch geändert.
„Ich hatte irgendwann immer Schmerzen, bestimmte Bewegungen konnte ich gar nicht mehr machen. Vor fünf Jahren konnte ich den Arm nicht mehr heben, beim Autofahren nichts mehr vom Rücksitz nehmen, den Ball für meinen Hund nicht mehr werfen oder mir nur noch unter Mühen alleine eine Jacke anzie-hen“,
beschreibt der sportlich aktive 71-Jährige seine Beschwerden.
Sein erster Weg führte ihn zum Orthopäden, der eine Asymmetrie in der rech-ten Schulter feststellte, die er auf den Anriss der Bizepssehne zurückgeführte. Die Bizepssehne fixiert das Schultergelenk. Ohne diesen Halt sitzt die Gelenk-kugel nicht mehr richtig in der Pfanne – die Schulter wird instabil. Langfristig führt das zu starken Schmerzen und zu den massiven Bewegungsbeeinträch-tigungen. Aus orthopädischer Sicht blieb als Behandlung nur eine komplizierte Operation des Schultergelenks.
Genau davor aber hatte Ferdinand Stracke Angst.
„Es gibt in meinem engen Bekanntenkreis zwei Fälle, bei denen ähnliche Schulteroperation trotz Nachoperationen nicht zu einem befriedigenden Er-gebnis geführt haben“,
begründet er seine Bedenken. Diesem Risiko wollte er sich nicht aussetzen.
Ein Freund hat ihm schließlich eine osteopathische Behandlung empfohlen, „eine für mich ganz neue Welt“, wie Stracke heute sagt. Nach einer intensiven Erstuntersuchung, der so genannten Anamnese, versicherte ihm die Münchner Osteopathin Stefanie Geldschläger, dass sie mit ihrer Behandlung einen für ihn befriedigenden Zustand erreichen könne.
„Ich fand das sehr mutig. Als Architekt denke ich immer in Kriterien der Statik. Deshalb konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie mir die Osteopathie helfen sollte. Aber Frau Geldschläger wirkte als Persönlichkeit so überzeu-gend, dass ich ihr vertraut habe“,
berichtet Stracke, früher ordentlicher Professor an der Technischen Universität (TU) in München und seit seiner Pensionierung am Institut für Stadt-, Regional und Freiraumplanung der TU München tätig.
Thema: Beweglich im Alter Verband der Osteopathen Deutschland e.V.
Stefanie Geldschläger hat aber nicht in erster Linie die rechte Schulter behan-delt. „Herr Stracke hatte in seinem Leben mindestens 10 Unfälle und dement-sprechend viele Beeinträchtigungen am Körper.“ Für die Schmerzen und die Einschränkung der Beweglichkeit in der rechten Schulter spürte sie drei Funk-tionsstörungen im Körper auf. Als erstes behandelte sie die Folgen eines dop-pelten Rippenbruchs links. Durch diesen etwa zehn Jahre zurückliegenden Bruch wurde die Statik im Brustkorb verändert, was die Schulterüberlastung rechts maßgeblich mit ausgelöst hatte, weil die Schulter nicht ausheilen konn-te. Als nächstes therapierte sie ein Schmerzsyndrom an der Lendenwirbelsäu-le. Erst danach widmete sie sich dem Teilabriss der Bizepssehne rechts, der eine Fehlstellung im Bereich des rechten Armes verursacht hatte.
„Der Oberarmkopf war im Schultergelenk nach vorne verschoben, dadurch war die freie Beweglichkeit eingeschränkt. Deshalb stößt der Oberarmkopf gegen das Schulterdach, wenn man den Arm hebt. Das verursacht die Schmerzen und die eingeschränkte Beweglichkeit“,
erklärt Geldschläger, die seit mehr als zehn Jahren als Osteopathin arbeitet.
Die positiven Auswirkungen der Behandlung hat Stracke schnell gespürt: Die Schmerzen wurden langsam weniger, die Beweglichkeit kam zurück. Aber nach vier Monaten wurde er dennoch ungeduldig.
Deshalb wandte sich Stracke erneut an einen Orthopäden, der ihm drei schul-medizinische Behandlungsmöglichkeiten nannte: Massagen, Spritzen oder eine Operation. Vor letzterem schreckte er zurück, also ließ er sich eine Sprit-ze geben. „Die Schmerzen waren danach fast weg, kamen aber nach einer gewissen Zeit leider wieder“, erzählt Ferdinand Stracke.
So kehrte er schließlich doch zu Stefanie Geldschläger zurück.
„Insgesamt hat die Behandlung ein dreiviertel Jahr gedauert. Das ist unge-wöhnlich lange und kann nur an den vielen Verletzungen und Traumata liegen, die sich Herr Stracke im Laufe seines Lebens zugezogen hat“,
erklärt die erfahrene Osteopathin.
Bereut hat Ferdinand Stracke diese Entscheidung bis heute nicht. „Ich habe heute bei bestimmten Bewegungen immer noch leichte Schmerzen, aber ich kann wieder alles machen,“ sagt er und steckt sich den Ball in die Tasche für seinen Hund, mit dem er gleich Spazieren geht.
Thema: Beweglich im Alter
Dienstag, 22. September 2009
Die osteopathische Behandlung verhaltensaufälliger Kinder
Interview mit Hildegard Grabmaier, D.O.:
Die osteopathische Behandlung verhaltensaufälliger Kinder
Die Osteopathin Hildegard Grabmaier hat sich auf die Behandlung von Kin-dern spezialisiert. Sie gilt in Deutschland als eine der erfahrensten Kinderosteopathen. Als Dozentin bietet sie Fortbildungen im Bereich Kinderosteopathie an und praktiziert zusammen mit zwei weiteren Osteopathen in ihrer eigenen Praxis in Herrsching am Ammersee.
Sie behandeln in Ihrer Praxis ausschließlich Kinder. Wie lange machen Sie das schon?
Ich arbeite seit 1976 mit Kindern im Bereich „Entwicklungsneurologie“, nach den Methoden Bobath, Vojta und Kiphard. Seit 1991 behandle ich ausschließlich nach dem Prinzip der Osteopathie auf der Grundlage der Entwicklungsneurologie.
Fehlende Mobilität an der Wirbelsäule, der Gelenke, der Faszien, Muskeln, dem Verlauf der Nerven und Gefäße usw. begrenzen die Möglichkeit der Bewegung und Bewegungsplanung. Diese Begrenzungen, wir nennen sie Immobilität oder Blockie-rungen, lassen sich durch die fachspezifischen Bewegungsübungen nach Bobath, Voja oder ähnlichen Therapien nicht lösen, wenn sie außerhalb der physiologi-schen Mobilität liegen.
Wie groß ist der Anteil unter ihren Patienten, den man als verhaltensauffällig be-zeichnen kann?
Etwa die Hälfte, wobei natürlich die Grenze des „Normalen“ zur Verhaltensauffäl-ligkeit nicht so eindeutig festzulegen ist. Für mich steht primär das Kind im Vorder-grund. Die Frage ist, warum sich ein Kind in der Art und Weise verhält, warum es das eigene Umfeld stört. Möchte es das Umfeld, sei es die Eltern, die Erzieherin-nen auf die eigenen Probleme aufmerksam machen? Probleme, die es selbst nicht lösen kann?
Ein Kind möchte nicht beurteilt oder abgeurteilt werden, sondern fordert spezifische Hilfe. Aus Forschungen der Kinderpsychologie und Kindersoziologie wissen wir, dass die emotionale Entwicklung des Säuglings nicht von der physischen Entwick-lung zu trennen ist. Physische Defizite, wie z.B. Störungen der Koordination oder des Gleichgewichts verunsichern das Kind, führen zu Misserfolgen und Enttäu-schungen. Das eigene Selbstwertgefühl wird geschwächt, mit der Folge eines nichtadäquaten Verhaltens in der Gruppe, beim Spielen, bei Leistungsanforderun-gen.
Sind heute mehr Kinder verhaltensauffällig als früher?
Von meiner Sichtweise her „Nein“, jedoch ist das Umfeld stärker sensibilisiert.
Die Eltern und die Erzieher im Kindergarten, die Lehrer sind wesentlich besser in-formiert und geschult und können somit früher handeln bzw. die Eltern darauf aufmerksam machen. Zusätzlich sind die kognitiven Leistungsanforderungen im Kin-dergarten größer geworden, da der Trend zur höheren Schulbildung linear nach oben geht.
Früher hat man noch eher gesagt, „man sollte dem Kind noch etwas Zeit geben“, was auch in einzelnen Fällen zutrifft. Denn solange sich das Kind primär im häusli-chen Umfeld aufhält, können die Eltern Abweichungen in der Entwicklung kompen-sieren, können dem Kind Schutz geben. In Schule und Kindergarten ist das Kind auf sich gestellt. Kommt es in eine Situation, die nicht bewältigen kann, wird es verunsichert und reagiert mit Aggressionen oder Verweigerungsaktionen.
Meine Anamnesenbefragungen zeigen, dass Eltern meist eine sehr gute Intuition haben, wenn „bei ihren Kindern etwas nicht stimmt“. Sie werden jedoch häufig
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008 Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008
durch das Umfeld oder auch von Ärzten beschwichtigt, dass das Kind „normal“ sei. Ich denke in der knappen Zeit einer normalen Sprechstunde kann man diese um-fangreiche Problematik auch nicht erkennen. Das wird von den Eltern auch gerne angenommen. Man sollte die Eltern jedoch darin bestärken eine zweite Meinung einzuholen.
Wenn ich als Elternteil einen solchen Verdacht habe, wo sollte ich hingehen?
Immer zuerst zum betreuenden Kinderarzt. Er kennt die Vorgeschichte dieses Kin-des. Und mit dem müssen dann weitere Schritte besprochen werden. Danach oder auch gleichzeitig empfiehlt sich ein Osteopath, der die Gesamtentwicklung des Kindes beurteilen kann. Der Osteopath hat eine eigene Diagnostik und Behandlung. Am besten arbeiten Arzt und Osteopath zusammen und ergänzen sich.
Dieser Osteopath muss aber ein fundiertes Wissen im entwicklungsneurologischen Bereich haben. Er muss wissen, wann und wie sich die Sprache entwickelt, dass Feinmotorik eine enge Verbindung zur Gleichgewichtsentwicklung hat usw.
Wenn sie zu einem Arzt gehen, dann meinen sie ja immer einen spezifischen Arzt. Und das ist hier genauso. Das Berufsbild deckt nicht alle Probleme ab, sondern man muss sich wirklich spezifisch fortgebildet haben. Ruft mich z.B. eine Schwan-gere an, die einen Termin haben möchte, dann leite ich sie an eine Kollegin weiter, die diesen Bereich abdeckt. Üblicherweise läuft es ja jetzt schon so unter den nie-dergelassenen Osteopathen.
Die Eltern brauchen eine Praxis, an die sie sich vertrauensvoll wenden können, ohne nochmals Zeit zu versäumen. Sie müssen deshalb auch wirklich anfragen, ob dieser Osteopath eine gesamte Ausbildung an einer anerkannten Schule durchlau-fen und Erfahrung mit Kindern hat.
Das Wohl des Kindes liegt in der Hand der Eltern. Welche Rolle spielt denn der Erziehungsstil bei der Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten?
Eine sehr große. Die Eltern spielen die absolut wichtigste Rolle bis zur Zeit des Schulalters. Das Kind muss wissen, dass man es gern hat und dass es ein wichti-ger und willkommener Teil der Familie ist. Es darf nicht das Gefühl haben, dass es z.B. die Partnerschaft oder den Tagesablauf stört.
Es braucht ab dem Zeitpunkt der Geburt feste Rhythmen, für das Schlafen, Essen, Spielen. Es muss sich darauf verlassen können, dass es pünktlich zum Kindergar-ten gebracht und abgeholt wird, dass es danach etwas Gutes zum Essen be-kommt.
Negative Einflüsse für die Entwicklung entstehen natürlich bei permanenten Part-nerschaftsproblemen der Eltern, wo die Kinder der Spielball der Streitigkeiten sind. Das Kind wird sich Sorgen machen: Wie geht es mit mir weiter? Wie sieht meine Zukunft aus? Bin ich irgendwann alleine? Die gesunde Entwicklung des Gehirns ist nachweislich sowohl von internen wie auch externen Faktoren abhängig, d.h. von einem guten Gesundheitszustand des Kindes und von positiven Einflüssen, die es aus der Umwelt bezieht.
Wie gehen Sie als Therapeutin damit um?
Indem die Eltern in meine Praxis kommen, geben sie bereits das Signal, dass sie Hilfe suchen. Das ist etwas sehr Positives, eine gute Basis für mich als Therapeu-tin. Diese Eltern erwarten Rat und Lösungsvorschläge. Die Eltern, die nichts wahr-nehmen, die suchen mich ja nicht auf, denen ist das egal. Die denken, die Schule oder der Kindergarten soll die Kinder erziehen.
Wenn diese Eltern also zu mit kommen, erkläre ich anhand eines genauen Befun-des und der Anamnese, was ich beobachtet habe, wie ich das Gesamtbild des Kin-des empfinde. Entsprechend des osteopathischen Befundes löse ich als erstes die
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008 Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008
Immobilität, die Blockaden. Damit beseitige ich die Hindernisse, die oft seit dem Zeitpunkt der Geburt bestehen und häufig die Ursache des Problems sind, z.B. eines Gleichgewichtsdefizits. Damit schaffe ich die Grundlage, dass das Kind seine Fähigkeiten und Möglichkeiten überhaupt zum Ausdruck bringen kann, denn „die Struktur bestimmt die Funktion“, ein wichtiges Statement der Osteopathie. Die phy-sische und die psychische Struktur sind nicht voneinander zu trennen. Ein Kind, das nie eine Struktur erfahren hat, kann diese auch nicht leben. Struktur beinhaltet Selbstdisziplin und diese ist notwendig um konzentriert zu lernen und sich die Zeit einzuteilen.
Im günstigsten Fall leben die Eltern den Kindern die Struktur im Alltag vor. Oft ist es nötig den gesamten Tagesablauf durchzusprechen, um den Eltern die Situation bewusst zu machen. Beginnen die Eltern die Gesamtsituation zu verstehen, ent-steht die Bereitschaft mitzuarbeiten. Das Kind spürt das und ist selbst bereit etwas zu tun. Dann erst normalisiert sich das Verhalten und auch die Situation in der Fa-milie ist weniger angespannt.
Übersteigen die bestehenden Befunde meine therapeutischen Möglichkeiten, dann bespreche ich die Situation mit dem betreuenden Kinderarzt und versuche mit ihm eine gemeinsame Lösung zu finden.
Sie erwähnten ein Gleichgewichtsdefizit als Ursache. Wie hängt das mit Verhal-tensauffälligkeiten zusammen?
Das Gleichgewicht spielt eine zentrale Rolle. Die Gleichgewichtsentwicklung be-ginnt bereits im Uterus und wird ab dem Zeitpunkt der Geburt unter den Bedingun-gen der Schwerkraft fortgeführt. Gesundes Gleichgewicht ist die Grundlage jeder Grob- und Feinmotorischen koordinierten Bewegung wie Drehen aus Bauch- und Rückenlage im Säuglingsalter, Krabbeln und Gehen, Stehen, Sprechen usw. Gleichgewicht bedeutet Stabilität in Ruhe und Bewegung! Gleichgewichtsdefizite, die die Kinder vom Säuglingsalter an entwickeln, sind die Wurzel für sehr viele Fol-gesymptome, wie z.B. häufiges Hinfallen, Anrempeln an Gegenständen, Unge-schicklichkeit, Störungen der Hand-Augenkoordination, der Sprachentwicklung.
Bei nahezu allen Kindern mit der Diagnose ADHS ist das Gleichgewicht mäßig bis stark gestört. Die betroffenen Kinder wirken wie getrieben, beherrschen keine sta-bile Position, weder im Sitzen noch in der vertikalen Aufrichtung. Haben ihre Mitte nicht gefunden, sowohl auf psychischer wie auch physischer Ebene. Eltern inter-pretieren diesen übersteigerten Bewegungsdrang etwa in der Weise: „Mein Kind ist nicht zu bremsen, ist ständig in Bewegung, trotz permanenter Misserfolge klettert es auf Bäume, fällt dauernd hin, zerbricht Geschirr...“ Dies ist Ausdruck eines man-gelnden Gleichgewichts.
Das so genannte ADHS ist ja nicht plötzlich im Kindergarten- bzw. Schulalter da. Es entwickelt sich im frühen Kindesalter und fällt dann stark auf, wenn höhere An-forderungen auf das Kind zukommen. Es handelt sich um einen Symptomen-komplex mit Wahrnehmungsdefiziten, aggressivem Verhalten, Schlafstörungen, Teilleistungsschwächen und beruht meines Erachtens auf einer Störung der postu-ralen Entwicklung.
Dazu ein Beispiel: Ein Kind kommt auf die Welt, die Geburt verlief sehr schwer, Mutter und Kind haben die Geburt negativ erlebt. Das Kind stand während der Ge-burt unter dem Einfluss traumatischer Kräfte, die zu Blockaden und Mobilitätsdefizi-ten führten. Das Kind schreit und hört nicht auf, wenn man es aufnimmt. Es saugt nicht an der Brust, sondern dreht den Kopf weg und schreit weiter. Die Mutter ver-sucht das Kind zu beruhigen, schaukelt und streichelt es. So sehr sie sich bemüht, das Kind schreit weiter. Die Mutter interpretiert das als Ablehnung.
Dabei hat dieses Kind möglicherweise geburtstraumatische Läsionen, die funktionelle und taktile Störungen verursachen wie Saugprobleme und Verdauungsprobleme,
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008 Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008
Gleichgewichtsdefizite, Schmerzen bei Berührung im Kopf- und Gesichtsbereich, massive Schlafstörungen.
Diese schwierige und negative Alltagserfahrung vom ersten Moment des Zusam-menlebens an belastet die Mutter-Kindbeziehung sehr stark. Anstatt gegenseitiges Vertrauen zu entwickeln kommt es zu Frustrationen von beiden Seiten. Die Gefahr für eine Interaktionsstörung ist sehr groß. Die einzige Möglichkeit der Eltern ist, sich den Schwierigkeiten des Kindes anzupassen: Das Kind kann an der Brust der Mutter nicht saugen, also gibt man die Flasche, das Kind schreit beim Hochneh-men aus der Rückenlage, also lässt man es ruhig liegen – obwohl die wichtige Stimulation des Gleichgewichtsorgans durch Bewegung im Raum erfolgt. Die Mutter lernt die Defizite des Kindes kennen und versucht diese zu kompensieren, z.B. indem sie Sozialkontakte wie Kleinkindgruppen vermeidet, weil das Kind nicht mit Gleichaltrigen spielt und sich destruktiv und aggressiv verhält. Mutter und Kind zie-hen sich dann immer mehr zurück.
Ab der Kindergartenzeit erweitert sich das soziale Umfeld des Kindes, der unmit-telbare Schutz der Mutter fällt weg, altersgemäße Fähigkeiten und Sozialkompe-tenzen werden gefordert. Spätestens jetzt registriert das betroffene Kind, dass es nicht auf gleicher Ebene mit anderen Kindern spielen kann, grob- und feinmotori-sche Aufgaben nicht erfüllen kann. Es beginnt sich unwohl und unsicher zu fühlen und die anderen Kinder zu stören.
Wie hilft die Osteopathie Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten?
Blockaden und fehlende Mobilität in den Geweben und Gelenken stören die beste-henden Funktionskreise des Organismus, vergleichbar mit mehreren Zahnrädern: Ist nur eines der Zahnräder blockiert oder verlangsamt, wird es den gesamten Funktionsablauf stören oder sogar außer Kraft setzen.
Die Befundaufnahme einer osteopathischen Behandlung begrenzt sich nicht auf die Symptome des Kindes, sondern das Ziel ist es die Ursache des Problems he-rauszufinden und zu behandeln. Die kann bis zum Zeitpunkt der Geburt oder sogar bis zur Schwangerschaft zurückreichen. Je jünger das Kind ist, desto weniger sind die ursächlichen Probleme durch Kompensationen überdeckt, desto leichter haben wir Osteopathen es sie herauszufinden. Bis zum etwa dritten Lebensjahr kann der Osteopath die Behandlung eines Kindes auch alleine abdecken, danach ist es sinnvoll zusammen mit Logopäden, Optometristen und Ergotherapeuten zu arbei-ten, da das größere Kind meist Ersatzmuster mit Sekundärsymptomen entwickelt hat.
Wichtig ist, dass der evaluierte osteopathische Befund einen anatomischen und physiologischen Bezug zu bestehenden Problemen des kleinen Patienten hat. Nur daraus kann erfolgreiche Behandlung resultieren. Bei der Variabilität des menschli-chen Organismus ist es nicht möglich nach einem bestimmten „Kochrezept“ vorzu-gehen.
Was macht der Osteopath gegenüber dem Arzt anders?
Der große Unterschied zwischen Arzt und Osteopath ist der, dass wir die Sympto-me zwar betrachten und einbeziehen, sie aber nicht Grundlage unserer Behand-lung sind. Die Symptome sind nur der Ausdruck einer Störung und nicht deren Ur-sache.
Der Arzt wird danach schauen, ob das Kind krabbeln kann, ob es laufen kann, ob es etwas greifen kann. Der Osteopath betrachtet, wie das Krabbeln, das Laufen und das Greifen aussehen. Wir hinterfragen den Zustand dieser Funktionen. Für uns ist die Quantität wichtig, aber die Qualität ist das Primäre.
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008 Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008
Wie sieht eine osteopathische Behandlung aus?
Die Struktur des Gewebes bestimmt die Qualität der Funktion. Das ist der oberste Leitsatz der Osteopathie. Gewebe, das durch traumatische Geschehnisse in seiner Mobilität eingeschränkt ist, wird fest und stört den Stoffwechsel und damit die Leis-tung des Körpers. Der Osteopath löst diese Einschränkungen mit speziellen manu-ellen Techniken.
Bei der Behandlung werden die Gewebsfestigkeiten und Bewegungseinschränkun-gen aufgesucht. Diese werden dann in Bezug zu der bestehenden Problematik gesetzt, behandelt und in das Gesamtfunktionssystem der Strukturen integriert.
Erfolgreich ist die Behandlung jedoch nur dann, wenn man das Problem im Sinne des Patienten gelöst hat, nicht alleine wenn die Blockade gelöst ist.
Wie lange dauert eine osteopathische Behandlung?
Ich behandele drei Mal engmaschig, also etwa 14täglich. Wenn sich dann erste Besserungen zeigen, dann beginnt man die Termine zu strecken, alle vier Wochen, dann alle sechs und so weiter, entsprechend den Fortschritten des Kindes.
Begleitend behandelt man das Kind oft jahrelang, aber in einem Abstand von ei-nem Vierteljahr. Oder das Kind kommt bei „Bedarf“, d.h. nach schweren Infektio-nen, nach traumatischen Erlebnissen. Die Eltern sind dann meist schon so sensibi-lisiert, dass sie wissen, wann das Kind eine Behandlung benötigt.
Bei Kindern bis zwei Jahren sind maximal zehn Behandlungen notwendig.
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In welchen Fällen sollte man sich nicht zu viel von einer Behandlung erwarten?
Wenn die Ursache der Entwicklungsproblematik und Verhaltensproblematik im mentalem Bereich liegt, z.B. bei Trisomie-Patienten. Hier liegt die Erfolgsquote eher im unteren Bereich.
Oder wenn das familiäre Umfeld dagegen arbeitet. Wenn die Mutter zu mir kommt, der Vater aber dagegen ist. Hier wäre die Behandlung eher kontraproduktiv, weil das Kind wieder zum „Spielball“ der Eltern reduziert wird.
Gibt es Fälle, in denen sie von einer osteopathischen Behandlung abraten würden?
Grundsätzlich nein. Ausnahmen sind akute Infektionen, die gehören ausschließlich in die Hand eines Arztes. Man würde hier das Immunsystem irritieren.
Ansonsten muss man die Ergebnisse beobachten. Wenn sie häufig behandeln und es hilft nicht, dann wird bei diesem Kind der Eindruck entstehen, dass da wieder etwas an ihm gemacht wird und zwar ohne Erfolg. Das ist eine neue Frustration. Wenn sich bei meinen Patienten nach drei Behandlungen nichts tut, dann bin ich nicht an der richtigen Stelle. Dann muss der Patient vielleicht zu einem anderen Therapeuten. Es kann dann aber sein, dass ich nach einem halben Jahr mehr er-reiche. Oft ist der Osteopath die richtige Adresse, aber eben nicht immer. Man muss immer da Hilfe bieten, wo das größte Übel sitzt, dann kann man den Rest behandeln.
Frau Grabmaier, besten Dank für das Gespräch.
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008 Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008 Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008
Sanfte Alternative für Schreikinder: Studie belegt Erfolge der Osteopathie
Wenn scheinbar gesunde Babys stundenlang schreien, stehen Therapeuten oft vor einem Rätsel: eine eindeutige Ursache für dieses Verhalten ist in der Schulmedizin noch nicht belegt. Koliken als Ursache und die daraus abgeleite-ten Therapiemethoden werden seit einigen Jahren von Ärzten und Forschern vermehrt in Frage gestellt. Dafür spricht auch der Erfolg vieler Osteopathen. Bei ihren kleinen Patienten spüren sie immer erst individuelle Ursachen auf und beheben diese. Mit diesem Ansatz ist die osteopathische Behandlung wirksa-mer als die konventionelle. Zwei Osteopathen, Uwe Senger und Anke Heber, konnten dies in einer Studie nachweisen.
Zwölf Stunden lang schrie der kleine Noah Joel jeden Tag, als seine Mutter mit ihm im Sommer 2006 zu Uwe Senger in die Praxis kam. Schulmedizinisch konnte bei dem drei Monate alten Baby nichts diagnostiziert werden. Auch im Mutter-Kind-Verhältnis sah der Osteopath keine Ursache für das Schreien, die Mutter war sehr liebevoll zu ihrem Kleinen. Neben dem Schreien zeigte Noah Joel aber weitere Auffälligkeiten. Er schaute nur auf eine Seite, überstreckte den Hals und war sehr schreckhaft – Signale, mit denen ein Baby seiner Um-welt mitteilt, dass es sich nicht wohl fühlt.
Nach einer eingehenden manuellen Untersuchung stellte Uwe Senger, der seit 1998 als Osteopath arbeitet, bei dem Kind eine Membranspannung innerhalb des Schädels mit Auswirkungen auf die harte Rückenmarkshaut und die obere Halswirbelsäule fest. Daraus resultierten ein erhöhter Muskeltonus und eine gesteigerte vegetative Anspannung. Das Unwohlsein führte dann zu stunden-langem Schreien. Der Wolfsburger Osteopath behandelte Noah Joel über einen Zeitraum von vier Wochen insgesamt viermal ausschließlich mit seinen Händen. Danach war das Schreien auf ein normales Maß gesunken, die Schreckhaftig-keit ganz verschwunden, die Spannungen gelöst.
Die Wirksamkeit der Osteopathie hatte Uwe Senger gemeinsam mit Anke Heber bereits 2003 in der Studie „Die osteopathische Behandlung bei Dreimonatskolik im Vergleich zur konventionellen Therapie“ erstmals auch wissenschaftlich nachgewiesen. Der Vorsprung der Osteopathie gegenüber der Schulmedizin war sehr deutlich. Bei den Kinderärzten sank die Schreizeit der behandelten Kinder im Schnitt um etwa 16 Prozent von 4 auf 3,85 Stunden, bei den osteopathisch behandelten dagegen um deutliche 56 Prozent von 4,8 auf 2,1 Stunden.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der Schreiintensität. Auf einer Skala von eins bis zehn sank bei der konventionell behandelten Gruppe die durchschnittli-che Schreiintensität von 53,5 auf 44,0 Prozent. Bei der osteopathisch behandel-ten Gruppe nahm diese um mehr als das Dreifache ab: von durchschnittlich 58,0 auf 27,5 Prozent.
Im Rahmen der Studie waren 45 Säuglinge im Alter von drei bis zwölf Wochen behandelt worden, die nach der allgemein anerkannten Dreierregel von Wessel als Schreikinder galten: ununterbrochenes Schreien, mindestens drei Stunden am Tag an mindestens drei Tagen in der Woche und mindestens drei Wochen hintereinander. 22 der Kinder wurden osteopathisch, 23 Kinder von teilnehmen-den Kinderärzten behandelt. Die Kinderärzte bekamen keine Vorgaben zur Be-handlung, konnten also frei die Ihnen richtig erscheinenden Therapien einset-zen. Aus beiden Gruppen konnten jeweils 20 Kinder in die Analyse einbezogen werden.
Thema: Hilfe für Schreikinder Verband der Osteopathen Deutschland e.V.
Auch wenn die Zahl der Probanden in der Studie niedrig ist, leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Therapie von Schreikindern. „Damit konnte bewiesen werden, was Osteopathen schon lange aus ihrer Erfahrung wissen: die osteo-pathische Behandlung von Schreikindern ist eine sehr wirkungsvolle Methode“, erklärt Uwe Senger. Umfragen unter Kollegen, die sich auf die Therapie von Schreikindern spezialisiert haben, ergaben eine Erfolgsquote von über 75 Pro-zent bei ihren osteopathischen Behandlungen.
Der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) rät deshalb Eltern von Schreikindern wie Noah Joel, immer auch einen Osteopathen zu konsultieren. Betroffene finden einen kompetenten Therapeuten in eigener Nähe auf dem Webportal des VOD unter www.osteopathie.de.
Thema: Hilfe für Schreikinder
Zwölf Stunden lang schrie der kleine Noah Joel jeden Tag, als seine Mutter mit ihm im Sommer 2006 zu Uwe Senger in die Praxis kam. Schulmedizinisch konnte bei dem drei Monate alten Baby nichts diagnostiziert werden. Auch im Mutter-Kind-Verhältnis sah der Osteopath keine Ursache für das Schreien, die Mutter war sehr liebevoll zu ihrem Kleinen. Neben dem Schreien zeigte Noah Joel aber weitere Auffälligkeiten. Er schaute nur auf eine Seite, überstreckte den Hals und war sehr schreckhaft – Signale, mit denen ein Baby seiner Um-welt mitteilt, dass es sich nicht wohl fühlt.
Nach einer eingehenden manuellen Untersuchung stellte Uwe Senger, der seit 1998 als Osteopath arbeitet, bei dem Kind eine Membranspannung innerhalb des Schädels mit Auswirkungen auf die harte Rückenmarkshaut und die obere Halswirbelsäule fest. Daraus resultierten ein erhöhter Muskeltonus und eine gesteigerte vegetative Anspannung. Das Unwohlsein führte dann zu stunden-langem Schreien. Der Wolfsburger Osteopath behandelte Noah Joel über einen Zeitraum von vier Wochen insgesamt viermal ausschließlich mit seinen Händen. Danach war das Schreien auf ein normales Maß gesunken, die Schreckhaftig-keit ganz verschwunden, die Spannungen gelöst.
Die Wirksamkeit der Osteopathie hatte Uwe Senger gemeinsam mit Anke Heber bereits 2003 in der Studie „Die osteopathische Behandlung bei Dreimonatskolik im Vergleich zur konventionellen Therapie“ erstmals auch wissenschaftlich nachgewiesen. Der Vorsprung der Osteopathie gegenüber der Schulmedizin war sehr deutlich. Bei den Kinderärzten sank die Schreizeit der behandelten Kinder im Schnitt um etwa 16 Prozent von 4 auf 3,85 Stunden, bei den osteopathisch behandelten dagegen um deutliche 56 Prozent von 4,8 auf 2,1 Stunden.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der Schreiintensität. Auf einer Skala von eins bis zehn sank bei der konventionell behandelten Gruppe die durchschnittli-che Schreiintensität von 53,5 auf 44,0 Prozent. Bei der osteopathisch behandel-ten Gruppe nahm diese um mehr als das Dreifache ab: von durchschnittlich 58,0 auf 27,5 Prozent.
Im Rahmen der Studie waren 45 Säuglinge im Alter von drei bis zwölf Wochen behandelt worden, die nach der allgemein anerkannten Dreierregel von Wessel als Schreikinder galten: ununterbrochenes Schreien, mindestens drei Stunden am Tag an mindestens drei Tagen in der Woche und mindestens drei Wochen hintereinander. 22 der Kinder wurden osteopathisch, 23 Kinder von teilnehmen-den Kinderärzten behandelt. Die Kinderärzte bekamen keine Vorgaben zur Be-handlung, konnten also frei die Ihnen richtig erscheinenden Therapien einset-zen. Aus beiden Gruppen konnten jeweils 20 Kinder in die Analyse einbezogen werden.
Thema: Hilfe für Schreikinder Verband der Osteopathen Deutschland e.V.
Auch wenn die Zahl der Probanden in der Studie niedrig ist, leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Therapie von Schreikindern. „Damit konnte bewiesen werden, was Osteopathen schon lange aus ihrer Erfahrung wissen: die osteo-pathische Behandlung von Schreikindern ist eine sehr wirkungsvolle Methode“, erklärt Uwe Senger. Umfragen unter Kollegen, die sich auf die Therapie von Schreikindern spezialisiert haben, ergaben eine Erfolgsquote von über 75 Pro-zent bei ihren osteopathischen Behandlungen.
Der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) rät deshalb Eltern von Schreikindern wie Noah Joel, immer auch einen Osteopathen zu konsultieren. Betroffene finden einen kompetenten Therapeuten in eigener Nähe auf dem Webportal des VOD unter www.osteopathie.de.
Thema: Hilfe für Schreikinder
Kinder schreien nicht grundlos
Kinder schreien nicht grundlos
Ursachen für das nicht enden wollende Dauerschreien
Rund zehn Prozent aller Babys sind Schreikinder. Die Eltern bringt das schier pausenlose Schreien oft an die Grenzen ihrer Kräfte – psychisch und physisch. Warum die Kinder bis zur Erschöpfung schreien, darüber streiten sich die Ex-perten. Die Erklärungen der Schulmedizin helfen nicht immer weiter. Fest steht: Osteopathen haben mit ihren Techniken überzeugende Erfolge – für eine schnelle Hilfe ohne Nebenwirkungen.
Schreien ist für ein Baby lebensnotwendig. Es ist schließlich die einzige Mög-lichkeit, seiner Umwelt zu signalisieren, dass es etwas braucht. Hunger, Müdigkeit, Schmerzen oder Alleinsein sind die häufigsten Ursachen für das normale Schreien. Das Schreien hört auf, wenn die Mutter durch Intuition, Erfahrung oder Durchprobieren die Ursache herausgefunden und behoben hat.
Anders bei so genannten Schreikindern. Sie schreien vor allem in den Abend-stunden hemmungslos und hysterisch, scheinbar grundlos und sind nicht zu beruhigen. Nach Schätzung von Fachleuten schreit jedes siebte bis zehnte Ba-by übermäßig viel. Ob ein Kind zuviel schreit, wird nach der Dreier-Regel von Wessel definiert: Schreit ein Kind mehr als drei Stunden am Tag, an drei Tagen in der Woche, über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen, ist es ein Schreikind.
Allerdings schreit das Baby nicht in jedem Alter gleich lang. Bis zur sechsten Lebenswoche steigert sich das Schreien, ab dem vierten Monat nimmt es wie-der ab, bis zum sechsten Monat ist das Phänomen meist nicht mehr zu beo-bachten. Am schlimmsten ist es zwischen der dritten Woche und dem vierten Monat. Dass diese Stresssituation nicht lange dauert und bald vorbei geht, ist für die Eltern nur ein schwacher Trost. Schließlich bringt sie das schier endlose Schreien an ihre psychischen und physischen Grenzen. Und das kann Folgen haben, sowohl für die Entwicklung einer gesunden Eltern-Kind-Beziehung als auch für die Gesundheit des Kindes. Das gefährliche Schütteln des schreienden Kindes ist häufig die Folge der totalen Erschöpfung der Mutter.
In der Schulmedizin wird das Schreien häufig als Dreimonatskolik bezeichnet, weil die Symptome und das Verhalten der Kinder - harter Bauch, Anziehen der Beine - an Bauchschmerzen erinnert. In Wirklichkeit haben diese zumeist nichts mit der Darmtätigkeit zu tun. Wohl nur etwa 10 bis 15 Prozent der Schreikinder haben Koliken. Der Bauch ist so hart, weil beim Schreien die Bauchmuskeln angespannt werden, die angezogenen Beine gehören zu den üblichen Bewe-gungen der Kinder auch beim normalen, nicht krankhaften Schreien.
Die Behandlung als Dreimonatskolik hat daher auch meist wenig Erfolg. Anders die Behandlung beim Osteopathen. Aus osteopathischer Sicht sind die Ursa-chen für das Schreien oft Spannungen oder Kompressionen am Schädel, aber auch an der Wirbelsäule und dem Becken, die während der Schwangerschaft, vor allem jedoch bei der Geburt entstanden sind.
Gerade bei schwierigen Geburten, ungeplanten Kaiserschnitten, Geburten mit Saugglocken oder Zangen werden die Knochen des Schädels stark bzw. a-symmetrisch zusammen geschoben. Mögliche Folgen: die Nervenbahnen sind gestaucht oder verengt und in ihrer Funktion beeinträchtigt bzw. die Hirnhaut ist ständig angespannt. Diese Spannungen können zu Unruhe, Unwohlsein oder gar Schmerzen führen, die der Grund für das Schreien sind.
Thema: Hilfe für Schreikinder Verband der Osteopathen Deutschland e.V.
Doch selbst nach einer ganz normalen Geburt kann ein Baby sich zu einem Schreikind entwickeln. Eine fortwährende einseitige Lagehaltung kann auf den jungen, formbaren Körper einwirken und zu Spannungen oder Kompressionen führen, auf die das Kind dann mit ständigem Schreien reagiert (z.B. bei Frühge-burten-Brutkasten).
Ein Osteopath spürt diese Spannungen oder Kompressionen auf und behebt sie – ohne Schmerzen und ohne Nebenwirkungen mit fast sofortiger Wirkung. Die Untersuchung und Behandlung erfolgt dabei in der für das Kind bequems-ten Lage, nicht selten sogar in den Armen der Mutter. Der sanfte und feinfühlige Einsatz der Hände wird vom Kind meist als sehr angenehm empfunden: Manch junger Patient schläft während der osteopathischen Behandlung ein. Oft sieht man schon nach ein bis drei Sitzungen eine deutliche Verbesserung: die Babys schreien deutlich weniger. Eine Wohltat für die Kinder und die Eltern.
Osteopathen verstehen sich dabei nicht als Alternative zum Kinderarzt, sondern arbeiten mit Pädiatern und Hebammen zum Wohle der kleinen Patienten zu-sammen. Zudem hat die Osteopathie ihre Grenzen: beim übermäßigen Schrei-en, wenn dies etwa an der Mutter-Kind-Beziehung liegt. Dann können der Stress der Mutter, Überforderung, das Nicht-Erkennen bzw. das Nicht-Reagieren-Können auf die Bedürfnisse des Kindes und andere psycho-soziale Faktoren das ständige Schreien des Kindes auslösen. Hier ist eine psychothe-rapeutische Behandlung angeraten, die ein Osteopath nicht leisten kann. Aller-dings kann er durch die Behandlung der körperlichen Störungen des Kindes begleitend dazu beitragen, die seelischen Belastungen zu lösen – beim Kind und der Mutter.
Thema: baby
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