Dienstag, 22. September 2009

Osteopathische Studien zum Thema verhaltensauffällige Kinder

Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008
Osteopathische Studien zum Thema verhaltensauffällige Kinder
Osteopathie ist schon lange nicht mehr eine auf bloßen Erfahrungswerten basie-rende Form der komplementären Medizin. Zunehmend mehr Studien untersuchen ihre Wirksamkeit gemäß den Vorgaben und Parametern der Evidence based Medicine.
In Deutschland werden diese Studien von Osteopathen im Anschluss an ihre mindestens fünfjährige Ausbildung erstellt. Die Arbeiten werden von Tutoren begleitet und müssen den wissenschaftlichen Anforderungen der Akademie für Osteopathie, AFO, entsprechen (www.osteopathie-akademie.de).
In den letzten Jahren haben sieben wissenschaftliche Studien die Möglichkeiten und Grenzen der Osteopathie bei der Behandlung von verhaltensauffälligen Kindern erforscht. Insgesamt wurden dabei 290 Kinder untersucht. Diese wurden in Gruppen unterteilt, von denen eine Gruppe osteopathisch behandelt und die andere als Kontrollgruppe konventionell oder gar nicht behandelt wurde.
Untersucht wurden im einzelnen:
- die Entspannung der intrakranialen Membranen bei Kindern mit hyperakti-vem Verhaltenssyndrom,
- der Effekt einer osteopathischen Behandlung bei Kindern mit Hyperaktivität und/oder eines Aufmerksamkeits-Defizitsyndroms
- der Einfluss osteopathischer Behandlungen auf Konzentrationsstörungen bei Kindern,
- die therapeutische Wirksamkeit der osteopathischen Behandlung bei Kin-dern mit auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen,
- der spezifische Beitrag der Osteopathie in der Behandlung von Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität und mit Hyperaktivität – ADS/ADHS,
- die Wirkung von osteopathischen Behandlungen auf die Rechtschreibleis-tung bei Kindern mit diagnostizierter Lese-Rechtschreibschwäche,
- die osteopathische Intervention bei Kindern mit sprachassoziierten Wahr-nehmungsstörungen

Nur eine dieser Studie aus dem Jahr 2006 über die „Wirkung von osteopathischen Behandlungen auf die Rechtschreibleistung bei Kindern mit diagnostizierter Lese-Rechtschreibschwäche“ konnte „keine klinisch relevante Verbesserung der LRS mittels osteopathischen Behandlungen belegen“.
Alle anderen sechs Studien belegten „statistisch signifikante“ Verbesserungen bei den osteopathisch behandelten Kindern im Vergleich zur jeweiligen Kontrollgruppe.
Die Osteopathie erweist sich demnach als eine vielfach wirksame Methode bei der Behandlung verhaltensauffälliger Kinder.
Nachfolgend sind die Abstracts der einzelnen Studien aufgelistet.
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008 Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008
Die Entspannung der intrakranialen Membranen bei Kindern mit hyperakti-vem Verhaltenssyndrom
Autoren:
Nicola Belgrado-Röh, D.O., Bruxelles, Michaela Rütz, D.O. M.R.O., Mönchengladbach
Oktober 1999
Studienziel:
Prüfung der Hypothese, inwiefern die kraniale Osteopathie für Kinder mit Hyperaktivem Verhaltenssyndrom therapeutisch sinnvoll sein kann. Das Hauptaugenmerk lag auf der Frage: Ist die Technik der Entspannung der intrakranialen Membranen alleine ausreichend oder könnte sie in Kombination mit der Behandlung von Dys-funktionen der Synchondrosis sphenobasilaris wirksamer sein?
Design:
Kontrollierte klinische Interventionsstudie.
Setting:
Sozialpädiatrisches Zentrum am Evangelischen Krankenhaus in Oberhausen. Dauer der Studienarbeit von Februar 1998 bis Juni 1999.
Patienten:
30 Patienten mit dem medizinischen Befund Hyperkinetisches Syndrom wurden den Therapeutinnen vom Chefarzt des Sozialpädiatrischen Zentrums des Evangelischen Krankenhauses in Oberhausen zugewiesen. Die Altersspanne lag zwischen vier und acht Jahren. Aufteilung der 30 Patienten in 3 Gruppen zu je 10 Patienten.
Interventionen:
Gruppe 1: Entspannung der intrakranialen Membranen und Behandlung der Dys-funktionen der Synchondrosis sphenobasilaris. Gruppe 2: Entspannung der intrakranialen Membranen ohne Behandlung der Dysfunktionen der SSB. Gruppe 3 (Sham-Gruppe): Keine Behandlung der in Gruppe 1 und 2 beschriebenen kranialen Strukturen. 4 Behandlungen im Abstand von ca. 4 Wochen.
Primäre/Sekundäre Zielparameter:
Primärer Zielparameter: Psychologischer Test zur Messung des Hyperaktivitäts-grades; Conners Test. Sekundärer Zielparameter: Osteopathischer Übersichtsbe-fund vor und nach den Behandlungen; Beobachtungen der Eltern, Erzieher und Lehrer nach den Behandlungen.
Ergebnisse:
Die osteopathische Behandlung der Gruppe 1 zeigte eine statistisch signifikante Verbesserung hinsichtlich primärer und sekundärer Zielparameter. In den Gruppen 2 und 3 traten keine statistisch signifikanten Verbesserungen auf.
Schlussfolgerungen:
Die osteopathische Therapie ist aufgrund der positiven Resultate ein erfolgverspre-chender Behandlungsansatz für Patienten zwischen vier und acht Jahren mit Hy-perkinetischem Syndrom, jedoch nur, wenn die osteopathische Behandlung sowohl die Behandlung von Dysfunktionen der Synchondrosis sphenobasilaris als auch die Entspannung der intrakranialen Membranen umfasst.
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008 Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008
Hat eine osteopathische Behandlung einen Effekt bei Kindern mit Hyperakti-vität und/oder eines Aufmerksamkeits-Defizitsyndroms?
Autoren:
Josef Haas, Luzern, Schweiz, Dominik Käser, Basel, Schweiz, Matthias Werner, Basel, Schweiz 2002
Studienziel:
Mit der vorliegenden Arbeit wollten wir herausfinden, ob man mit Osteopathie einen Effekt hat bei Kindern mit einer Hyperaktivität und/oder einem Aufmerksamkeits-defizitsyndrom (ADHD, ADD). Das Ziel war eine klinische Studie im osteopathi-schen Sinn zu erstellen und sich dabei nicht nur auf eine osteopathische Technik zu beschränken, sondern eine vollumfängliche osteopathische Testung und Be-handlung durchzuführen.
Durch unsere vorgängig gemachten Erfahrungen in der Behandlung von ADHD-Kindern gingen wir von der Annahme aus, möglicherweise einen Einfluss auf die Komplexität und Vielfalt in der sich diese Problematik äußert, zu haben. Eine ganz-heitliche Angehensweise der verschiedenen Interaktionen im cranialen, visceralen und parietalen Bereich, schien uns geradezu prädestiniert. Die ADHD-Problematik bei Kindern, mit der wir uns in dieser Studie befassten, führte uns vor Augen, wie komplex und unendlich vielfältig, aber auch schwierig und kontrovers, sich dieses Problem äußerte. Dieser Komplexität und dem osteopathischen Konzept versuch-ten wir Rechnung zu tragen.
Patienten/Interventionen:
Wir testeten und behandelten 28 Kinder (Gruppe 1) im Alter zwischen 7 und 14 Jahren beiderlei Geschlechts. Sie wurden in einem Zeitraum von 3 Monaten 6-mal behandelt mit einem Intervall zwischen 1 bis 3 Wochen. Eine Kontroll,- oder Null-gruppe (Gruppe 0) von 15 Kindern blieb während dem gleichen Zeitraum unbehan-delt.
Zielparameter:
Die verwendeten Messmethoden zur Beurteilung des Ist-Zustandes, sowie einer möglichen Veränderung bezüglich der ADHD/ADD-Problematik, waren einerseits ein Computer-Wahrnehmungstest (IVA CPT-Test), welcher die auditive und visuelle Wahrnehmung sowie die Hyperaktivität beurteilte, und andererseits ein Fragebogen über das Verhalten (Aufmerksamkeit/Hyperaktivität) der Kinder, welcher von den Eltern ausgefüllt wurde. Beides (Test und Fragebogen) wurde jeweils vor und nach der Behandlungsserie (rsp. unbehandelt) durchgeführt.
Ergebnisse:
Bei der Auswertung des Wahrnehmungstests (IVA CPT-Test) stellten wir eine leich-te Abnahme der Hyperaktivität (HA) bei der Gruppe 1 um -22.32 Punkte gegenüber einer Zunahme der HA in der Gruppe 0 um +15.73 Punkte (p<.025).
Die Vollskala der Reaktionskontrolle (RCQFS) setzt sich zusammen aus auditiven- und visuellen Subskalen. Sie ergab bei der Gruppe 1 eine Zunahme von +6.78 Punkte, was einer Verbesserung entspricht, wo hingegen sich die Gruppe 0 um -8.73 Punkte im gleichen Zeitraum verschlechterte (p=.001).
Die Vollskala der Aufmerksamkeit (AQFS), welche sich ebenfalls aus auditiven- und visuellen Subskalen zusammensetzt, ergab bei Gruppe 1 eine Verbesserung in Zeit (p=.002) und Verlauf (p=.005) von +15.68 Punkte, und bei der Gruppe 0 ein praktisch unveränderter Wert von +1.13 Punkte.
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008 Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008
Bei der Auswertung des Fragebogens stellten wir insgesamt eine positive Entwick-lung der gestellten Parameter fest. Sowohl die HA, wie auch die Unaufmerksamkeit (UA), innerhalb der beiden Gruppen der ADHD-Population (Gruppe 1+Gruppe 0), zeigten in den Rohwerten diese Tendenz. Der Mittelwert der HA über die Zeit er-reichte in beiden Gruppen eine signifikante Abnahme (p=.05). Die Abnahme ist stärker ausgeprägt in Gruppe 1, allerdings verfehlte hier der Verlauf knapp die Sig-nifikanz (p=.086). Bei der UA sinken die Werte von Messzeitpunkt 1 zu Mess-zeitpunkt 2 (p=.01). Dabei zeigt Gruppe 1 eine stärkere Abnahme als Gruppe 0 (p=.044).
Beim normativen Vergleich zur normalen Entwicklung der Kinder ohne ADHD stell-ten wir bei der HA in beiden Gruppen eine Abnahme fest vom ersten zum zweiten Messzeitpunkt (p=.01). Bei der Verbesserung der UA erreichten wir eine Signifikanz (p=.044).
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Einfluss osteopathischer Behandlungen auf Konzentrationsstörungen bei Kindern (Pilotstudie)
Autorin: Dr. med. Andrea Lamberts, D.O., Celle
Oktober 2002
Studienziel: Ist die Konzentrationsfähigkeit bei Kindern der 3. und 4. Klasse nach osteopathischen Behandlungen zu verbessern?
Studiendesign: Klinische prospektiv angelegte Studie mit Kontrollgruppe.
Patienten und Behandlung: 18 Kinder einer Schule wurden aus einem Schuljahr-gang ausgewählt, weil sie Konzentrationsstörungen hatten und ein Geburtstrauma oder ein Trauma am Schädel im 1.- 2. Lebensjahr. Als Geburtstrauma galt jede größere medizinische Intervention bei der Geburt. In dieser Gruppe von 18 Kindern wurden 9 innerhalb eines Jahres drei mal osteopathisch behandelt und 9 nicht. Die osteopathische Behandlung dauerte ca. eine Stunde, in der ein Ausgleich in allen osteopathischen Achsen angestrebt wurde.
Zielparameter: Es wurde vorher und hinterher, insgesamt zwei Konzentrationstes-te durchgeführt. Dabei handelte es sich um einen standardisierten, validierten Schultest, der seit vielen Jahren mit reproduzierbaren Ergebnissen durchgeführt wird.
Ergebnisse: In der Gruppe der osteopathisch behandelten Kinder ergab sich eine Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Schlussfolgerung: Bei Kindern mit Konzentrationsstörungen und gleichzeitigem Geburtstrauma oder Trauma am Schädel in den ersten 2 Lebensjahren gibt es eine statistisch signifikante Wirksamkeit der osteopathischen Behandlung. Bei einer kleinen Gruppe von 9 Kindern ist die klinische Signifikanz weiterhin fraglich.
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Die therapeutische Wirksamkeit der osteopathischen Behandlung bei Kindern mit auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (Pilotstudie)
Autoren: Dr. med. Dina Guerassimiouk D. O., Hamburg, Jens Peter Markhoff D.O. M.R.O., Schleswig
Oktober 2003
Ziel: Das Ziel der Pilotstudie war, die therapeutische Wirksamkeit einer osteo-pathischen Behandlung bei Kindern mit auditiven Verarbeitungs- und Wahrneh-mungsstörungen (AVWS) zu untersuchen.
Studienmodell: Kontrollierte, randomisierte, klinische Pilotstudie mit einer Haupt-gruppe und einer Kontrollgruppe
Ort der Durchführung: Die Studie wurde ambulant im Zentrum für Kindesentwick-lung in Hamburg (Leiterin: Dr. med. Inge Flehmig) durchgeführt. Eingangs- und Abschlussuntersuchungen fanden bei Diplompsychologen des Zentrums, sowie bei niedergelassenen HNO-Ärzten im Raum Hamburg und Umgebung statt.
Patienten: 34 Schulkinder im Alter zwischen 7 und 13 Jahren wurden randomisiert im Verhältnis von 2:1 in eine Haupt- und eine Kontrollgruppe aufgeteilt.
Behandlungen: Die Patienten der Hauptgruppe wurden von zwei Osteopathen behandelt (11-14 Therapiesitzungen in 10-15 Monaten). Die Patienten der Kontroll-gruppe wurden von niedergelassenen Ergotherapeuten, Lerntherapeuten und Mo-topäden behandelt (1-2 x / Woche in 10-15 Monaten). Dauer der Pilotstudie für den jeweiligen Patient: 13-18 Monate, Dauer der Pilotstudie insgesamt: Nov. 2000 – Dez. 2002
Hauptzielparameter: Auditiv relevante Untertests aus vier validierten psycholo-gisch-pädagogischen Untersuchungen (empfohlen von der Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP) im Jahr 2000): 1. K-ABC-Test („Zahlen nachsprechen“, „Wortreihen nachsprechen“, „Lesen/
Verstehen“) 2. HAWIK-Test ( „Zahlen nachsprechen“) 3. Psycholinguistischer Entwicklungstest („Zahlenfolgen- Gedächtnis“, „Laute Ver-binden“) 4. Diagnostischer Rechtschreibtest („Prozent-Rang“) HNO-ärztliche Untersuchungsergebnisse bezüglich der Diagnose „AVWS“
Ergebnisse: Die osteopathische Behandlung der Hauptgruppe zeigte gegenüber der Kontrollgruppe eine statistisch signifikante Verbesserung hinsichtlich sieben von acht Hauptzielparametern und erzielte eine therapeutische Wirksamkeit von klinischer Relevanz. So ergaben die psychologisch-pädagogischen Tests in der Osteopathie-Gruppe eine Verbesserung von ca. 21%, während in der Kontrollgrup-pe eine Verschlechterung um ca. 3% festgestellt wurde. Bei der HNO-ärztlichen Untersuchung konnte zum Ende der Studie bei 16 Kindern der Osteopathie-Gruppe keine bzw. nur noch eine leichte AVWS diagnostiziert werden. Dies entspricht einer Erfolgsquote von 89%, die in der Kontrollgruppe vergleichsweise nur bei 33% lag.
Fazit: Die Osteopathie erweist sich in dieser Pilotstudie als eine effiziente, integra-tive Behandlungsmethode bei Kindern mit auditiven Verarbeitungsstörungen und Wahrnehmungsstörungen (AVWS).
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008 Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008
Kann die Osteopathie einen spezifischen Beitrag in der Behandlung von Kin-dern mit Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität und mit Hyperaktivi-tät – ADS/ADHS leisten? Eine randomisierte kontrollierte Studie
Autoren: Angela Bierent-Vass, D.O. M.R.O., München, Jutta Lang, D.O. M.R.O., München, Norbert Neumann, D.O. M.R.O., Bad Tölz
Oktober 2004
Studienziel: Das Ziel war die Überprüfung der Hypothese, dass eine osteopathi-sche Behandlung einen positiven Einfluss auf Kinder mit ADS/ADHS hat.
Studiendesign: Randomisierte kontrollierte Studie
Setting: Die Kinder wurden aus drei Förderschulen und einer Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT) in München und Bad Tölz rekrutiert und in unseren drei Praxen untersucht und behandelt.
Patienten: 77 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren konnten für die Studie gewonnen werden. Sie alle waren mit dem Befund ADS/ADHS vordiagnostiziert. 50 Kinder wurden behandelt, 27 Kinder stellten die Kontrollgruppe.
Interventionen: Die Kinder der Behandlungsgruppe wurden osteopathisch, d.h. im parietalen, kranialen und viszeralen Bereich befundet. Sie wurden dann auf Basis ihrer Befunde individuell vier Mal behandelt und abschließend noch einmal unter-sucht. Die Kinder der Kontrollgruppe waren unbehandelt, sie wurden zu Beginn und zum Abschluss osteopathisch untersucht. Primäre/sekundäre Zielparameter: Primärer Zielparameter war die Conners Ska-la, die zu Beginn und zum Abschluss von den Eltern ausgefüllt und von einem Sta-tistiker ausgewertet wurde. Sekundäre Zielparameter waren ein Anamnesebogen und des Weiteren ein osteopathischer Befundbogen, der ebenfalls zu Beginn und zum Abschluss ausgefüllt wurde.
Ergebnisse: Die osteopathische Behandlung ergab hinsichtlich des primären Ziel-parameters, der Conners Skala, eine Verbesserung um ca. 50 %. Bei allen einzel-nen Fragen war diese Verbesserung statistisch signifikant gegenüber der Kontroll-gruppe. Auch die Untersuchungsergebnisse ergaben bei der Abschlussuntersu-chung deutliche Verbesserungen. In der Kontrollgruppe konnten weder bezogen auf den primären noch auf den sekundären Zielparameter Verbesserungen festge-stellt werden. Schlussfolgerungen: Aufgrund der positiven Resultate der Studie finden wir unse-re Hypothese betätigt. Die osteopathische Untersuchung und Behandlung kann einen positiven Beitrag in der Behandlung von Kindern mit ADS/ADHS leisten.
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008 Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008
Wirkung von osteopathischen Behandlungen auf die Rechtschreibleistung bei Kindern mit diagnostizierter Lese-Rechtschreibschwäche. Eine randomi-sierte kontrollierte Studie
Autoren: Melanie Künzig, St. Veit a.d. Glan, Österreich, Frank Beichle, D.O. M.R.O., Laupheim, Judith Schmidt-Hein, D.O. M.R.O., Ransbach-Baumbach
Oktober 2006
Studienziel: Die Studie sollte die Frage beantworten, ob eine nach WHO Standard (ICD 10) festgestellte Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) bei Kindern der 3. und 4. Schulklasse durch osteopathische Behandlungen beeinflussbar ist.
Studiendesign: Randomisierte, kontrollierte Studie (RCT).
Setting: Die Studie war multizentrisch und grenzüberschreitend angelegt. An der Studie nahmen Kinder aus Deutschland (Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg) sowie Österreich (Kärnten) teil. Die Rekrutierung der Kinder erfolgte unter anderem über Pädagogen, Psychologen, Legasthenietrainer und Medien. Der Behandlungs-zeitraum erstreckte sich von Januar bis Juli 2005. Die Behandlungen wurden von 3 fertig ausgebildeten Osteopathen in ihren privaten Osteopathiepraxen durchgeführt.
Patienten: An der Studie nahmen 58 Kinder mit einer diagnostizierten LRS (nach ICD 10) teil. 6 Kinder schieden im Verlauf der Studie aus. Die Kinder wurden regel-gerecht eingeschult und besuchten zum Zeitpunkt der Untersuchung die dritte oder vierte Grundschulklasse (Alter im Mittel 9.6, 16 Mädchen und 36 Buben). Mittels externer Randomisierung wurden 28 Kinder der Interventionsgruppe und 24 der Kontrollgruppe zugeteilt.
Behandlungen: Die Kinder der Behandlungsgruppe wurden 4-mal im Abstand von 2-5 Wochen osteopathisch behandelt. Es wurden individuell die am Behandlungs-tag gefundenen osteopathischen Dysfunktionen im kranialen, viszeralen und parite-talen System diagnostiziert und behandelt. Die Kinder der Kontrollgruppe blieben unbehandelt.
Zielparameter: Primärer Zielparameter war die Verbesserung der Rechtschreib-leistung, erfasst durch die Hamburger Schreibprobe (HSP nach May), einem in Deutschland üblichen Rechtschreibtest. Als sekundäre Zielparameter wurden ein Bewertungsbogen für Eltern über Verhalten, Lerngewohnheiten und sowie Zeug-nisnoten sowie ein Selbsteinschätzungsbogen für Kinder verwendet.
Ergebnisse: Bei der Interventionsgruppe verbesserten sich im Verlauf die 5 Items der HSP geringfügig um 2.4% bis 3.1%. Eine klinisch relevante Verbesserung und statistische Signifikanz konnte jedoch nicht erzielt werden. Die Kontrollgruppe ver-schlechtere sich im Studienzeitraum. Auch im direkten Vergleich zwischen den bei-den Gruppen ergab sich keine statistische Signifikanz. Nur bei einem der HSP-Kriterien, der alphabetischen Strategie, konnte bei der Subgruppe der Viertklässler (n=11 gegenüber n=8 der Kontrollgruppe) eine signifikante Verbesserung zuguns-ten der osteopathischen Behandlung erzielt werden (p=0.010). Eine ähnliche Ten-denz wiesen die erhobenen Nebenparameter auf, wobei die deutlichste Verbesse-rung in der Kategorie körperlich-emotionales Wohlbefinden zu sehen ist.
Schlussfolgerung: In unserer Studie konnten wir keine klinisch relevante Verbes-serung der LRS mittels osteopathischen Behandlungen belegen. Dies mag daran liegen, dass wir Kinder unterschiedlicher LRS-Genese mit einer Methode behandelt haben, die möglicherweise in einzelnen Fällen Erfolg hat, in anderen wiederum
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nicht. Da wir während unserer Studie erneut die subjektive Erfahrung machen konnten, dass Eltern und Kinder auffällig oft von Verbesserungen berichtet haben, die sich aber in unseren Ergebnissen nicht ausdrückten, ist es möglicherweise eine Frage des Studiendesigns und der Messmethode, diese Verbesserungen auch messbar zu machen.
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Osteopathische Intervention bei Kindern mit sprachassoziierten Wahrneh-mungsstörungen
Autoren: Romanus Nollmann, D.O. M.R.O., Osnabrück, Frank Sturhahn, D.O. M.R.O., Kalletal
Oktober 2006
Studienziel: Ziel der Studie war die Beantwortung der Frage, ob durch osteopathi-sche Behandlungen von Kindern mit festgestellten sprachassoziierten Wahrneh-mungsstörungen am Schulanfang diese Störungen vermindert werden können.
Studiendesign: Nicht randomisierte, kontrollierte, klinische Studie im „Waiting-list design“ mit 9-wöchiger behandlungsfreier Zeit, gefolgt von fünf osteopathischen Behandlungen.
Setting: Die Studie wurde von zwei fertig ausgebildeten Osteopathen in ihren pri-vaten Praxen durchgeführt.
Patienten: Bei 152 Schülerinnen und Schüler der ersten Klassen (aus 3 Schulen in Niedersachsen) im Alter von sechs bis sieben Jahren wurden die sprachbezogenen Wahrnehmungsleistungen mit der Differenzierungsprobe I ( (DP I nach Breuer-Weuffen) getestet. 30 Kinder waren nach Aussage dieses Tests förderungswürdig und wurden damit in diese Studie aufgenommen (10 Mädchen, 20 Jungen, Alter im Mittel 6,8 Jahre)
Intervention: Nach einer neunwöchigen behandlungsfreien Wartezeit erfolgten 5 osteopathische Behandlungen im Abstand von zwei Wochen. Drei Wochen nach der letzten Behandlung wurden die sprachbezogenen Wahrnehmungsleistungen erneut getestet. Die osteopathische Befunderhebung erfolgte ohne festgelegtes Schema nach dem „Black-Box-Prinzip“. Behandelt wurden die individuell vorgefun-denen osteopathischen Dysfunktionen nach den Prinzipien der Osteopathie im kra-nialen, viszeralen und parietalen System.
Zielparameter: Grad der sprachbezogenen Wahrnehmungsleistung, gemessen mit der Differenzierungsprobe I.
Ergebnisse: In der Behandlungsphase kam es zu einer Verbesserung der sprach-assoziierten Wahrnehmungs-Störungen im Mittel von 46 auf 94 Prozentpunkte der DP I (Verbesserung 51%, p<0.001), im Gegensatz zur Wartezeit, in der eine Ver-schlechterung um 13 Prozentpunkten zu verzeichnen war. Im direkten Vergleich Wartezeit/Behandlungszeit ergab sich eine statistische Signifikanz (p<0.001) zu Gunsten der osteopathischen Behandlung.
Schlussfolgerungen: Durch osteopathische Behandlungen scheint es möglich, in der Schuleingangsdiagnostik festgestellte sprachassoziierte Wahrnehmungsstö-rungen bei Kindern der ersten Klasse deutlich zu vermindern. Weitere Studien soll-ten belegen, ob hier auch eine Nachhaltigkeit besteht und eine Verallgemeinerung auf andere Alterstufen möglich ist.
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008

Die osteopathische Behandlung verhaltensaufälliger Kinder


Interview mit Hildegard Grabmaier, D.O.:
Die osteopathische Behandlung verhaltensaufälliger Kinder
Die Osteopathin Hildegard Grabmaier hat sich auf die Behandlung von Kin-dern spezialisiert. Sie gilt in Deutschland als eine der erfahrensten Kinderosteopathen. Als Dozentin bietet sie Fortbildungen im Bereich Kinderosteopathie an und praktiziert zusammen mit zwei weiteren Osteopathen in ihrer eigenen Praxis in Herrsching am Ammersee.
Sie behandeln in Ihrer Praxis ausschließlich Kinder. Wie lange machen Sie das schon?
Ich arbeite seit 1976 mit Kindern im Bereich „Entwicklungsneurologie“, nach den Methoden Bobath, Vojta und Kiphard. Seit 1991 behandle ich ausschließlich nach dem Prinzip der Osteopathie auf der Grundlage der Entwicklungsneurologie.
Fehlende Mobilität an der Wirbelsäule, der Gelenke, der Faszien, Muskeln, dem Verlauf der Nerven und Gefäße usw. begrenzen die Möglichkeit der Bewegung und Bewegungsplanung. Diese Begrenzungen, wir nennen sie Immobilität oder Blockie-rungen, lassen sich durch die fachspezifischen Bewegungsübungen nach Bobath, Voja oder ähnlichen Therapien nicht lösen, wenn sie außerhalb der physiologi-schen Mobilität liegen.
Wie groß ist der Anteil unter ihren Patienten, den man als verhaltensauffällig be-zeichnen kann?
Etwa die Hälfte, wobei natürlich die Grenze des „Normalen“ zur Verhaltensauffäl-ligkeit nicht so eindeutig festzulegen ist. Für mich steht primär das Kind im Vorder-grund. Die Frage ist, warum sich ein Kind in der Art und Weise verhält, warum es das eigene Umfeld stört. Möchte es das Umfeld, sei es die Eltern, die Erzieherin-nen auf die eigenen Probleme aufmerksam machen? Probleme, die es selbst nicht lösen kann?
Ein Kind möchte nicht beurteilt oder abgeurteilt werden, sondern fordert spezifische Hilfe. Aus Forschungen der Kinderpsychologie und Kindersoziologie wissen wir, dass die emotionale Entwicklung des Säuglings nicht von der physischen Entwick-lung zu trennen ist. Physische Defizite, wie z.B. Störungen der Koordination oder des Gleichgewichts verunsichern das Kind, führen zu Misserfolgen und Enttäu-schungen. Das eigene Selbstwertgefühl wird geschwächt, mit der Folge eines nichtadäquaten Verhaltens in der Gruppe, beim Spielen, bei Leistungsanforderun-gen.
Sind heute mehr Kinder verhaltensauffällig als früher?
Von meiner Sichtweise her „Nein“, jedoch ist das Umfeld stärker sensibilisiert.
Die Eltern und die Erzieher im Kindergarten, die Lehrer sind wesentlich besser in-formiert und geschult und können somit früher handeln bzw. die Eltern darauf aufmerksam machen. Zusätzlich sind die kognitiven Leistungsanforderungen im Kin-dergarten größer geworden, da der Trend zur höheren Schulbildung linear nach oben geht.
Früher hat man noch eher gesagt, „man sollte dem Kind noch etwas Zeit geben“, was auch in einzelnen Fällen zutrifft. Denn solange sich das Kind primär im häusli-chen Umfeld aufhält, können die Eltern Abweichungen in der Entwicklung kompen-sieren, können dem Kind Schutz geben. In Schule und Kindergarten ist das Kind auf sich gestellt. Kommt es in eine Situation, die nicht bewältigen kann, wird es verunsichert und reagiert mit Aggressionen oder Verweigerungsaktionen.
Meine Anamnesenbefragungen zeigen, dass Eltern meist eine sehr gute Intuition haben, wenn „bei ihren Kindern etwas nicht stimmt“. Sie werden jedoch häufig
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durch das Umfeld oder auch von Ärzten beschwichtigt, dass das Kind „normal“ sei. Ich denke in der knappen Zeit einer normalen Sprechstunde kann man diese um-fangreiche Problematik auch nicht erkennen. Das wird von den Eltern auch gerne angenommen. Man sollte die Eltern jedoch darin bestärken eine zweite Meinung einzuholen.
Wenn ich als Elternteil einen solchen Verdacht habe, wo sollte ich hingehen?
Immer zuerst zum betreuenden Kinderarzt. Er kennt die Vorgeschichte dieses Kin-des. Und mit dem müssen dann weitere Schritte besprochen werden. Danach oder auch gleichzeitig empfiehlt sich ein Osteopath, der die Gesamtentwicklung des Kindes beurteilen kann. Der Osteopath hat eine eigene Diagnostik und Behandlung. Am besten arbeiten Arzt und Osteopath zusammen und ergänzen sich.
Dieser Osteopath muss aber ein fundiertes Wissen im entwicklungsneurologischen Bereich haben. Er muss wissen, wann und wie sich die Sprache entwickelt, dass Feinmotorik eine enge Verbindung zur Gleichgewichtsentwicklung hat usw.
Wenn sie zu einem Arzt gehen, dann meinen sie ja immer einen spezifischen Arzt. Und das ist hier genauso. Das Berufsbild deckt nicht alle Probleme ab, sondern man muss sich wirklich spezifisch fortgebildet haben. Ruft mich z.B. eine Schwan-gere an, die einen Termin haben möchte, dann leite ich sie an eine Kollegin weiter, die diesen Bereich abdeckt. Üblicherweise läuft es ja jetzt schon so unter den nie-dergelassenen Osteopathen.
Die Eltern brauchen eine Praxis, an die sie sich vertrauensvoll wenden können, ohne nochmals Zeit zu versäumen. Sie müssen deshalb auch wirklich anfragen, ob dieser Osteopath eine gesamte Ausbildung an einer anerkannten Schule durchlau-fen und Erfahrung mit Kindern hat.
Das Wohl des Kindes liegt in der Hand der Eltern. Welche Rolle spielt denn der Erziehungsstil bei der Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten?
Eine sehr große. Die Eltern spielen die absolut wichtigste Rolle bis zur Zeit des Schulalters. Das Kind muss wissen, dass man es gern hat und dass es ein wichti-ger und willkommener Teil der Familie ist. Es darf nicht das Gefühl haben, dass es z.B. die Partnerschaft oder den Tagesablauf stört.
Es braucht ab dem Zeitpunkt der Geburt feste Rhythmen, für das Schlafen, Essen, Spielen. Es muss sich darauf verlassen können, dass es pünktlich zum Kindergar-ten gebracht und abgeholt wird, dass es danach etwas Gutes zum Essen be-kommt.
Negative Einflüsse für die Entwicklung entstehen natürlich bei permanenten Part-nerschaftsproblemen der Eltern, wo die Kinder der Spielball der Streitigkeiten sind. Das Kind wird sich Sorgen machen: Wie geht es mit mir weiter? Wie sieht meine Zukunft aus? Bin ich irgendwann alleine? Die gesunde Entwicklung des Gehirns ist nachweislich sowohl von internen wie auch externen Faktoren abhängig, d.h. von einem guten Gesundheitszustand des Kindes und von positiven Einflüssen, die es aus der Umwelt bezieht.
Wie gehen Sie als Therapeutin damit um?
Indem die Eltern in meine Praxis kommen, geben sie bereits das Signal, dass sie Hilfe suchen. Das ist etwas sehr Positives, eine gute Basis für mich als Therapeu-tin. Diese Eltern erwarten Rat und Lösungsvorschläge. Die Eltern, die nichts wahr-nehmen, die suchen mich ja nicht auf, denen ist das egal. Die denken, die Schule oder der Kindergarten soll die Kinder erziehen.
Wenn diese Eltern also zu mit kommen, erkläre ich anhand eines genauen Befun-des und der Anamnese, was ich beobachtet habe, wie ich das Gesamtbild des Kin-des empfinde. Entsprechend des osteopathischen Befundes löse ich als erstes die
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Immobilität, die Blockaden. Damit beseitige ich die Hindernisse, die oft seit dem Zeitpunkt der Geburt bestehen und häufig die Ursache des Problems sind, z.B. eines Gleichgewichtsdefizits. Damit schaffe ich die Grundlage, dass das Kind seine Fähigkeiten und Möglichkeiten überhaupt zum Ausdruck bringen kann, denn „die Struktur bestimmt die Funktion“, ein wichtiges Statement der Osteopathie. Die phy-sische und die psychische Struktur sind nicht voneinander zu trennen. Ein Kind, das nie eine Struktur erfahren hat, kann diese auch nicht leben. Struktur beinhaltet Selbstdisziplin und diese ist notwendig um konzentriert zu lernen und sich die Zeit einzuteilen.
Im günstigsten Fall leben die Eltern den Kindern die Struktur im Alltag vor. Oft ist es nötig den gesamten Tagesablauf durchzusprechen, um den Eltern die Situation bewusst zu machen. Beginnen die Eltern die Gesamtsituation zu verstehen, ent-steht die Bereitschaft mitzuarbeiten. Das Kind spürt das und ist selbst bereit etwas zu tun. Dann erst normalisiert sich das Verhalten und auch die Situation in der Fa-milie ist weniger angespannt.
Übersteigen die bestehenden Befunde meine therapeutischen Möglichkeiten, dann bespreche ich die Situation mit dem betreuenden Kinderarzt und versuche mit ihm eine gemeinsame Lösung zu finden.
Sie erwähnten ein Gleichgewichtsdefizit als Ursache. Wie hängt das mit Verhal-tensauffälligkeiten zusammen?
Das Gleichgewicht spielt eine zentrale Rolle. Die Gleichgewichtsentwicklung be-ginnt bereits im Uterus und wird ab dem Zeitpunkt der Geburt unter den Bedingun-gen der Schwerkraft fortgeführt. Gesundes Gleichgewicht ist die Grundlage jeder Grob- und Feinmotorischen koordinierten Bewegung wie Drehen aus Bauch- und Rückenlage im Säuglingsalter, Krabbeln und Gehen, Stehen, Sprechen usw. Gleichgewicht bedeutet Stabilität in Ruhe und Bewegung! Gleichgewichtsdefizite, die die Kinder vom Säuglingsalter an entwickeln, sind die Wurzel für sehr viele Fol-gesymptome, wie z.B. häufiges Hinfallen, Anrempeln an Gegenständen, Unge-schicklichkeit, Störungen der Hand-Augenkoordination, der Sprachentwicklung.
Bei nahezu allen Kindern mit der Diagnose ADHS ist das Gleichgewicht mäßig bis stark gestört. Die betroffenen Kinder wirken wie getrieben, beherrschen keine sta-bile Position, weder im Sitzen noch in der vertikalen Aufrichtung. Haben ihre Mitte nicht gefunden, sowohl auf psychischer wie auch physischer Ebene. Eltern inter-pretieren diesen übersteigerten Bewegungsdrang etwa in der Weise: „Mein Kind ist nicht zu bremsen, ist ständig in Bewegung, trotz permanenter Misserfolge klettert es auf Bäume, fällt dauernd hin, zerbricht Geschirr...“ Dies ist Ausdruck eines man-gelnden Gleichgewichts.
Das so genannte ADHS ist ja nicht plötzlich im Kindergarten- bzw. Schulalter da. Es entwickelt sich im frühen Kindesalter und fällt dann stark auf, wenn höhere An-forderungen auf das Kind zukommen. Es handelt sich um einen Symptomen-komplex mit Wahrnehmungsdefiziten, aggressivem Verhalten, Schlafstörungen, Teilleistungsschwächen und beruht meines Erachtens auf einer Störung der postu-ralen Entwicklung.
Dazu ein Beispiel: Ein Kind kommt auf die Welt, die Geburt verlief sehr schwer, Mutter und Kind haben die Geburt negativ erlebt. Das Kind stand während der Ge-burt unter dem Einfluss traumatischer Kräfte, die zu Blockaden und Mobilitätsdefizi-ten führten. Das Kind schreit und hört nicht auf, wenn man es aufnimmt. Es saugt nicht an der Brust, sondern dreht den Kopf weg und schreit weiter. Die Mutter ver-sucht das Kind zu beruhigen, schaukelt und streichelt es. So sehr sie sich bemüht, das Kind schreit weiter. Die Mutter interpretiert das als Ablehnung.
Dabei hat dieses Kind möglicherweise geburtstraumatische Läsionen, die funktionelle und taktile Störungen verursachen wie Saugprobleme und Verdauungsprobleme,
Thema: Verhaltensauffällige Kinder, Januar 2008 Verband der Osteopathen Deutschland e.V. - Presseheft 2008
Gleichgewichtsdefizite, Schmerzen bei Berührung im Kopf- und Gesichtsbereich, massive Schlafstörungen.
Diese schwierige und negative Alltagserfahrung vom ersten Moment des Zusam-menlebens an belastet die Mutter-Kindbeziehung sehr stark. Anstatt gegenseitiges Vertrauen zu entwickeln kommt es zu Frustrationen von beiden Seiten. Die Gefahr für eine Interaktionsstörung ist sehr groß. Die einzige Möglichkeit der Eltern ist, sich den Schwierigkeiten des Kindes anzupassen: Das Kind kann an der Brust der Mutter nicht saugen, also gibt man die Flasche, das Kind schreit beim Hochneh-men aus der Rückenlage, also lässt man es ruhig liegen – obwohl die wichtige Stimulation des Gleichgewichtsorgans durch Bewegung im Raum erfolgt. Die Mutter lernt die Defizite des Kindes kennen und versucht diese zu kompensieren, z.B. indem sie Sozialkontakte wie Kleinkindgruppen vermeidet, weil das Kind nicht mit Gleichaltrigen spielt und sich destruktiv und aggressiv verhält. Mutter und Kind zie-hen sich dann immer mehr zurück.
Ab der Kindergartenzeit erweitert sich das soziale Umfeld des Kindes, der unmit-telbare Schutz der Mutter fällt weg, altersgemäße Fähigkeiten und Sozialkompe-tenzen werden gefordert. Spätestens jetzt registriert das betroffene Kind, dass es nicht auf gleicher Ebene mit anderen Kindern spielen kann, grob- und feinmotori-sche Aufgaben nicht erfüllen kann. Es beginnt sich unwohl und unsicher zu fühlen und die anderen Kinder zu stören.
Wie hilft die Osteopathie Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten?
Blockaden und fehlende Mobilität in den Geweben und Gelenken stören die beste-henden Funktionskreise des Organismus, vergleichbar mit mehreren Zahnrädern: Ist nur eines der Zahnräder blockiert oder verlangsamt, wird es den gesamten Funktionsablauf stören oder sogar außer Kraft setzen.
Die Befundaufnahme einer osteopathischen Behandlung begrenzt sich nicht auf die Symptome des Kindes, sondern das Ziel ist es die Ursache des Problems he-rauszufinden und zu behandeln. Die kann bis zum Zeitpunkt der Geburt oder sogar bis zur Schwangerschaft zurückreichen. Je jünger das Kind ist, desto weniger sind die ursächlichen Probleme durch Kompensationen überdeckt, desto leichter haben wir Osteopathen es sie herauszufinden. Bis zum etwa dritten Lebensjahr kann der Osteopath die Behandlung eines Kindes auch alleine abdecken, danach ist es sinnvoll zusammen mit Logopäden, Optometristen und Ergotherapeuten zu arbei-ten, da das größere Kind meist Ersatzmuster mit Sekundärsymptomen entwickelt hat.
Wichtig ist, dass der evaluierte osteopathische Befund einen anatomischen und physiologischen Bezug zu bestehenden Problemen des kleinen Patienten hat. Nur daraus kann erfolgreiche Behandlung resultieren. Bei der Variabilität des menschli-chen Organismus ist es nicht möglich nach einem bestimmten „Kochrezept“ vorzu-gehen.
Was macht der Osteopath gegenüber dem Arzt anders?
Der große Unterschied zwischen Arzt und Osteopath ist der, dass wir die Sympto-me zwar betrachten und einbeziehen, sie aber nicht Grundlage unserer Behand-lung sind. Die Symptome sind nur der Ausdruck einer Störung und nicht deren Ur-sache.
Der Arzt wird danach schauen, ob das Kind krabbeln kann, ob es laufen kann, ob es etwas greifen kann. Der Osteopath betrachtet, wie das Krabbeln, das Laufen und das Greifen aussehen. Wir hinterfragen den Zustand dieser Funktionen. Für uns ist die Quantität wichtig, aber die Qualität ist das Primäre.
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Wie sieht eine osteopathische Behandlung aus?
Die Struktur des Gewebes bestimmt die Qualität der Funktion. Das ist der oberste Leitsatz der Osteopathie. Gewebe, das durch traumatische Geschehnisse in seiner Mobilität eingeschränkt ist, wird fest und stört den Stoffwechsel und damit die Leis-tung des Körpers. Der Osteopath löst diese Einschränkungen mit speziellen manu-ellen Techniken.
Bei der Behandlung werden die Gewebsfestigkeiten und Bewegungseinschränkun-gen aufgesucht. Diese werden dann in Bezug zu der bestehenden Problematik gesetzt, behandelt und in das Gesamtfunktionssystem der Strukturen integriert.
Erfolgreich ist die Behandlung jedoch nur dann, wenn man das Problem im Sinne des Patienten gelöst hat, nicht alleine wenn die Blockade gelöst ist.
Wie lange dauert eine osteopathische Behandlung?
Ich behandele drei Mal engmaschig, also etwa 14täglich. Wenn sich dann erste Besserungen zeigen, dann beginnt man die Termine zu strecken, alle vier Wochen, dann alle sechs und so weiter, entsprechend den Fortschritten des Kindes.
Begleitend behandelt man das Kind oft jahrelang, aber in einem Abstand von ei-nem Vierteljahr. Oder das Kind kommt bei „Bedarf“, d.h. nach schweren Infektio-nen, nach traumatischen Erlebnissen. Die Eltern sind dann meist schon so sensibi-lisiert, dass sie wissen, wann das Kind eine Behandlung benötigt.
Bei Kindern bis zwei Jahren sind maximal zehn Behandlungen notwendig.
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In welchen Fällen sollte man sich nicht zu viel von einer Behandlung erwarten?
Wenn die Ursache der Entwicklungsproblematik und Verhaltensproblematik im mentalem Bereich liegt, z.B. bei Trisomie-Patienten. Hier liegt die Erfolgsquote eher im unteren Bereich.
Oder wenn das familiäre Umfeld dagegen arbeitet. Wenn die Mutter zu mir kommt, der Vater aber dagegen ist. Hier wäre die Behandlung eher kontraproduktiv, weil das Kind wieder zum „Spielball“ der Eltern reduziert wird.
Gibt es Fälle, in denen sie von einer osteopathischen Behandlung abraten würden?
Grundsätzlich nein. Ausnahmen sind akute Infektionen, die gehören ausschließlich in die Hand eines Arztes. Man würde hier das Immunsystem irritieren.
Ansonsten muss man die Ergebnisse beobachten. Wenn sie häufig behandeln und es hilft nicht, dann wird bei diesem Kind der Eindruck entstehen, dass da wieder etwas an ihm gemacht wird und zwar ohne Erfolg. Das ist eine neue Frustration. Wenn sich bei meinen Patienten nach drei Behandlungen nichts tut, dann bin ich nicht an der richtigen Stelle. Dann muss der Patient vielleicht zu einem anderen Therapeuten. Es kann dann aber sein, dass ich nach einem halben Jahr mehr er-reiche. Oft ist der Osteopath die richtige Adresse, aber eben nicht immer. Man muss immer da Hilfe bieten, wo das größte Übel sitzt, dann kann man den Rest behandeln.
Frau Grabmaier, besten Dank für das Gespräch.

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Sanfte Alternative für Schreikinder: Studie belegt Erfolge der Osteopathie

Wenn scheinbar gesunde Babys stundenlang schreien, stehen Therapeuten oft vor einem Rätsel: eine eindeutige Ursache für dieses Verhalten ist in der Schulmedizin noch nicht belegt. Koliken als Ursache und die daraus abgeleite-ten Therapiemethoden werden seit einigen Jahren von Ärzten und Forschern vermehrt in Frage gestellt. Dafür spricht auch der Erfolg vieler Osteopathen. Bei ihren kleinen Patienten spüren sie immer erst individuelle Ursachen auf und beheben diese. Mit diesem Ansatz ist die osteopathische Behandlung wirksa-mer als die konventionelle. Zwei Osteopathen, Uwe Senger und Anke Heber, konnten dies in einer Studie nachweisen.
Zwölf Stunden lang schrie der kleine Noah Joel jeden Tag, als seine Mutter mit ihm im Sommer 2006 zu Uwe Senger in die Praxis kam. Schulmedizinisch konnte bei dem drei Monate alten Baby nichts diagnostiziert werden. Auch im Mutter-Kind-Verhältnis sah der Osteopath keine Ursache für das Schreien, die Mutter war sehr liebevoll zu ihrem Kleinen. Neben dem Schreien zeigte Noah Joel aber weitere Auffälligkeiten. Er schaute nur auf eine Seite, überstreckte den Hals und war sehr schreckhaft – Signale, mit denen ein Baby seiner Um-welt mitteilt, dass es sich nicht wohl fühlt.
Nach einer eingehenden manuellen Untersuchung stellte Uwe Senger, der seit 1998 als Osteopath arbeitet, bei dem Kind eine Membranspannung innerhalb des Schädels mit Auswirkungen auf die harte Rückenmarkshaut und die obere Halswirbelsäule fest. Daraus resultierten ein erhöhter Muskeltonus und eine gesteigerte vegetative Anspannung. Das Unwohlsein führte dann zu stunden-langem Schreien. Der Wolfsburger Osteopath behandelte Noah Joel über einen Zeitraum von vier Wochen insgesamt viermal ausschließlich mit seinen Händen. Danach war das Schreien auf ein normales Maß gesunken, die Schreckhaftig-keit ganz verschwunden, die Spannungen gelöst.
Die Wirksamkeit der Osteopathie hatte Uwe Senger gemeinsam mit Anke Heber bereits 2003 in der Studie „Die osteopathische Behandlung bei Dreimonatskolik im Vergleich zur konventionellen Therapie“ erstmals auch wissenschaftlich nachgewiesen. Der Vorsprung der Osteopathie gegenüber der Schulmedizin war sehr deutlich. Bei den Kinderärzten sank die Schreizeit der behandelten Kinder im Schnitt um etwa 16 Prozent von 4 auf 3,85 Stunden, bei den osteopathisch behandelten dagegen um deutliche 56 Prozent von 4,8 auf 2,1 Stunden.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der Schreiintensität. Auf einer Skala von eins bis zehn sank bei der konventionell behandelten Gruppe die durchschnittli-che Schreiintensität von 53,5 auf 44,0 Prozent. Bei der osteopathisch behandel-ten Gruppe nahm diese um mehr als das Dreifache ab: von durchschnittlich 58,0 auf 27,5 Prozent.
Im Rahmen der Studie waren 45 Säuglinge im Alter von drei bis zwölf Wochen behandelt worden, die nach der allgemein anerkannten Dreierregel von Wessel als Schreikinder galten: ununterbrochenes Schreien, mindestens drei Stunden am Tag an mindestens drei Tagen in der Woche und mindestens drei Wochen hintereinander. 22 der Kinder wurden osteopathisch, 23 Kinder von teilnehmen-den Kinderärzten behandelt. Die Kinderärzte bekamen keine Vorgaben zur Be-handlung, konnten also frei die Ihnen richtig erscheinenden Therapien einset-zen. Aus beiden Gruppen konnten jeweils 20 Kinder in die Analyse einbezogen werden.
Thema: Hilfe für Schreikinder Verband der Osteopathen Deutschland e.V.
Auch wenn die Zahl der Probanden in der Studie niedrig ist, leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Therapie von Schreikindern. „Damit konnte bewiesen werden, was Osteopathen schon lange aus ihrer Erfahrung wissen: die osteo-pathische Behandlung von Schreikindern ist eine sehr wirkungsvolle Methode“, erklärt Uwe Senger. Umfragen unter Kollegen, die sich auf die Therapie von Schreikindern spezialisiert haben, ergaben eine Erfolgsquote von über 75 Pro-zent bei ihren osteopathischen Behandlungen.
Der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) rät deshalb Eltern von Schreikindern wie Noah Joel, immer auch einen Osteopathen zu konsultieren. Betroffene finden einen kompetenten Therapeuten in eigener Nähe auf dem Webportal des VOD unter www.osteopathie.de.
Thema: Hilfe für Schreikinder

Kinder schreien nicht grundlos


Kinder schreien nicht grundlos
Ursachen für das nicht enden wollende Dauerschreien
Rund zehn Prozent aller Babys sind Schreikinder. Die Eltern bringt das schier pausenlose Schreien oft an die Grenzen ihrer Kräfte – psychisch und physisch. Warum die Kinder bis zur Erschöpfung schreien, darüber streiten sich die Ex-perten. Die Erklärungen der Schulmedizin helfen nicht immer weiter. Fest steht: Osteopathen haben mit ihren Techniken überzeugende Erfolge – für eine schnelle Hilfe ohne Nebenwirkungen.
Schreien ist für ein Baby lebensnotwendig. Es ist schließlich die einzige Mög-lichkeit, seiner Umwelt zu signalisieren, dass es etwas braucht. Hunger, Müdigkeit, Schmerzen oder Alleinsein sind die häufigsten Ursachen für das normale Schreien. Das Schreien hört auf, wenn die Mutter durch Intuition, Erfahrung oder Durchprobieren die Ursache herausgefunden und behoben hat.
Anders bei so genannten Schreikindern. Sie schreien vor allem in den Abend-stunden hemmungslos und hysterisch, scheinbar grundlos und sind nicht zu beruhigen. Nach Schätzung von Fachleuten schreit jedes siebte bis zehnte Ba-by übermäßig viel. Ob ein Kind zuviel schreit, wird nach der Dreier-Regel von Wessel definiert: Schreit ein Kind mehr als drei Stunden am Tag, an drei Tagen in der Woche, über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen, ist es ein Schreikind.
Allerdings schreit das Baby nicht in jedem Alter gleich lang. Bis zur sechsten Lebenswoche steigert sich das Schreien, ab dem vierten Monat nimmt es wie-der ab, bis zum sechsten Monat ist das Phänomen meist nicht mehr zu beo-bachten. Am schlimmsten ist es zwischen der dritten Woche und dem vierten Monat. Dass diese Stresssituation nicht lange dauert und bald vorbei geht, ist für die Eltern nur ein schwacher Trost. Schließlich bringt sie das schier endlose Schreien an ihre psychischen und physischen Grenzen. Und das kann Folgen haben, sowohl für die Entwicklung einer gesunden Eltern-Kind-Beziehung als auch für die Gesundheit des Kindes. Das gefährliche Schütteln des schreienden Kindes ist häufig die Folge der totalen Erschöpfung der Mutter.
In der Schulmedizin wird das Schreien häufig als Dreimonatskolik bezeichnet, weil die Symptome und das Verhalten der Kinder - harter Bauch, Anziehen der Beine - an Bauchschmerzen erinnert. In Wirklichkeit haben diese zumeist nichts mit der Darmtätigkeit zu tun. Wohl nur etwa 10 bis 15 Prozent der Schreikinder haben Koliken. Der Bauch ist so hart, weil beim Schreien die Bauchmuskeln angespannt werden, die angezogenen Beine gehören zu den üblichen Bewe-gungen der Kinder auch beim normalen, nicht krankhaften Schreien.
Die Behandlung als Dreimonatskolik hat daher auch meist wenig Erfolg. Anders die Behandlung beim Osteopathen. Aus osteopathischer Sicht sind die Ursa-chen für das Schreien oft Spannungen oder Kompressionen am Schädel, aber auch an der Wirbelsäule und dem Becken, die während der Schwangerschaft, vor allem jedoch bei der Geburt entstanden sind.
Gerade bei schwierigen Geburten, ungeplanten Kaiserschnitten, Geburten mit Saugglocken oder Zangen werden die Knochen des Schädels stark bzw. a-symmetrisch zusammen geschoben. Mögliche Folgen: die Nervenbahnen sind gestaucht oder verengt und in ihrer Funktion beeinträchtigt bzw. die Hirnhaut ist ständig angespannt. Diese Spannungen können zu Unruhe, Unwohlsein oder gar Schmerzen führen, die der Grund für das Schreien sind.
Thema: Hilfe für Schreikinder Verband der Osteopathen Deutschland e.V.
Doch selbst nach einer ganz normalen Geburt kann ein Baby sich zu einem Schreikind entwickeln. Eine fortwährende einseitige Lagehaltung kann auf den jungen, formbaren Körper einwirken und zu Spannungen oder Kompressionen führen, auf die das Kind dann mit ständigem Schreien reagiert (z.B. bei Frühge-burten-Brutkasten).
Ein Osteopath spürt diese Spannungen oder Kompressionen auf und behebt sie – ohne Schmerzen und ohne Nebenwirkungen mit fast sofortiger Wirkung. Die Untersuchung und Behandlung erfolgt dabei in der für das Kind bequems-ten Lage, nicht selten sogar in den Armen der Mutter. Der sanfte und feinfühlige Einsatz der Hände wird vom Kind meist als sehr angenehm empfunden: Manch junger Patient schläft während der osteopathischen Behandlung ein. Oft sieht man schon nach ein bis drei Sitzungen eine deutliche Verbesserung: die Babys schreien deutlich weniger. Eine Wohltat für die Kinder und die Eltern.
Osteopathen verstehen sich dabei nicht als Alternative zum Kinderarzt, sondern arbeiten mit Pädiatern und Hebammen zum Wohle der kleinen Patienten zu-sammen. Zudem hat die Osteopathie ihre Grenzen: beim übermäßigen Schrei-en, wenn dies etwa an der Mutter-Kind-Beziehung liegt. Dann können der Stress der Mutter, Überforderung, das Nicht-Erkennen bzw. das Nicht-Reagieren-Können auf die Bedürfnisse des Kindes und andere psycho-soziale Faktoren das ständige Schreien des Kindes auslösen. Hier ist eine psychothe-rapeutische Behandlung angeraten, die ein Osteopath nicht leisten kann. Aller-dings kann er durch die Behandlung der körperlichen Störungen des Kindes begleitend dazu beitragen, die seelischen Belastungen zu lösen – beim Kind und der Mutter.
Thema: baby

Geburtsstress für Säuglinge

Für Neugeborene sorgt der Geburtsvorgang für großen psychischen und physi-schen Stress. Bei vielen Säuglingen wird dabei der Kopf stark zusammenge-presst, so dass Asymmetrien und Kompressionen des Schädels entstehen kön-nen. Mögliche Folgen sind Schreien, Spucken, Schlafprobleme und das KiSS-Syndrom. Beschwerden, die ein Osteopath meist wirksam behandeln kann.

Bei einer normalen, natürlichen Geburt wird der Schädel des Kindes beim Durchtritt durch das Becken der Mutter um bis zu zwei Zentimeter zusammen-gedrückt. Die Presswehen durch den engen Geburtskanal können die Schädel-knochen des noch nicht verknöcherten Säuglingsschädel regelrecht übereinan-der schieben. Das kann Blutergüssen verursachen und die empfindlichen Wir-bel blockieren.
Schwierige Geburten, sowie Zangen- oder Saugglockengeburten lassen den Schädel oft um ein Vielfaches mehr zusammendrücken, was die Gefahr von Asymmetrien, hauptsächlich im Bereich des Hinterhauptsbeins oder des oberen Halswirbelbereichs, deutlich erhöht. Dem enormen Druck sind aber nicht nur der Kopf- und Halsbereich des Säuglings ausgesetzt. Über das Muskelsystem, Bänder, Sehnen und anderes Gewebe wirkt sich dieser auf die gesamte Wir-belsäule und das Becken aus.
Die Kompressionen im Schädelbereich engen häufig die beiden Löcher an der Schädelbasis ein, durch die die Blut- und Nervenbahnen ziehen. Betroffen sind davon vor allem der Eingeweidenerv und der Zungen-Schlund-Nerv. Unbehan-delt können solche Asymmetrien zu übermäßiges Schreien, Spucken, Blähun-gen, Schlafstörungen, Haltungsasymmetrien wie Schiefhals, übermäßige Er-regbarkeit, innere Unruhe und vieles mehr führen.
Der Osteopath kann die Ursachen solcher Beschwerden aufspüren und behan-deln. So zeigt sich, dass bei Schreikindern häufig die Hirnhaut stark gespannt ist. Kinder mit einer Drei-Monats-Kolik leiden hingegen oft an einer Einengung des Eingeweidenervs, der die Verdauung steuert. Bei Spuckkindern ist oft der Zungen-Schlund-Nerv in seiner Funktion beeinträchtigt. Der Schiefhals, der bei der Schwangerschaft oder der Geburt entstehen kann, wird meist durch einen eingeklemmten Hirnnerv ausgelöst. Für das Aufspüren und Behandeln nutzt der Osteopath ausschließlich seine geschulten Händen und arbeitet völlig schmerz-frei für das Baby.
Manualtherapeuthen und Chiropraktiker erklären diese Symptome auch mit dem KiSS-Syndrom (Kopfgelenkinduzierte Symmetriestörung), mit dem eine Fehlhaltung der oberen Halswirbelsäule bezeichnet wird. Diese Diagnose gilt bei vielen Kinderärzten als umstritten. In der Manualtherapie und Chiropraktik wird diese Problematik durch Mobilisation der oberen Halswirbelsäule behan-delt.
Aus osteopathischer Sicht haben die einzelnen Symptome des KiSS-Syndroms meistens unterschiedliche Ursachen. In seiner Untersuchung spürt der Osteo-path diese verschiedenen Ursachen auf, um anschließend die verantwortlichen Blockaden zu lösen.

Thema: Hilfe für Schreikinder

Definition von Osteopathie


Die Osteopathie ist eine manuelle Diagnoseform und Behandlungsform. Sie dient dem Erkennen und Behandeln von Funktionsstörungen. Dazu nutzt die sie eigene Techniken, die mit den Händen ausgeführt werden.
Die Osteopathie nimmt jeden Patienten als Individuum wahr und behandelt ihn seiner Gesamtheit. Sie ist deshalb eine ganzheitliche Form der Medizin.
Vor über 130 Jahren entdeckte der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still die Prinzipien der Osteopathie und begründete damit eine neue Medizin. Seit jener Zeit hat sich die Osteopathie kontinuierlich weiterentwickelt, in den USA, ebenso wie in Europa und anderen Teilen der Welt.
Der Ansatz der Osteopathie ist einfach: Leben zeigt sich in Form von Bewe-gung. Dort wo Bewegung verhindert wird, macht sich Krankheit breit. Die Osteopathie kennt alle kleinen und großen Bewegungen des menschlichen Körpers. Sie hilft Bewegungseinschränkungen aufzuspüren und zu lösen. Dazu benutzt ein Osteopath vorwiegend seine Hände. Als feinfühlige und jahrelang geschulte Instrumente kann er mit ihnen Bewegungseinschränkun-gen erkennen und osteopathisch behandeln.
Aufgrund ihres eigenen Ansatzes kann die Osteopathie bei zahlreichen Beschwerden oft wirksam helfen. Dennoch ist sie kein Allheilmittel, sondern eine die Schulmedizin ergänzende Form der Medizin.
Möglichkeiten
Die Osteopathie hat ein eigenes Verständnis davon, wie Krankheiten entste-hen. Aus osteopathischer Sicht gehen diesen meist Funktionsstörungen vor-aus. Wird eine solche Funktionsstörung nicht rechtzeitig behoben, kommt es früher oder später zu einem Schaden an der Struktur, eine Krankheit bricht aus. Da die Osteopathie Funktionsstörungen löst, behandelt sie vorbeugend und kann oft das Ausbrechen einer Krankheit verhindern.
Von großem Vorteil ist auch das Behandeln mit den Händen. Die Osteopathie verschreibt keine Medikamente und verwendet kein Skalpell. Ein Osteopath nutzt einzig und allein seine feinfühlig geschulten Hände, um die Ursachen von Beschwerden aufzuspüren und zu behandeln.
In der Praxis hat sich die Osteopathie bei einer Vielzahl von Beschwerden und Krankheiten bewährt, wo nicht allein, zumindest begleitend.
Hierzu zählen im Bereich des Bewegungsapparates (parietale Osteopathie):
Gelenkprobleme, Beschwerden wie Hexenschuss, Ischias, Schleudertrauma, Verstauchung und andere Verletzungen,
im internistischen Bereich (viszerale Osteopathie):
Verdauungsstörungen (nicht bei Geschwüren und Tumoren), Sodbrennen, Organsenkung, Operationsfolgen wie Narben und Verwachsungen, funktio-nelle Herzbeschwerden,
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im Hals-Nasen-Ohren-Bereich (kraniosakrale Osteopathie):
Kopfschmerzen, Migräne, Nasennebenhöhlenentzündung, chronische Mittel-ohrentzündung, Mandelentzündung, Schwindel, Tinnitus, Kiefergelenksproblematik (begleitend), Bissregulation (begleitend),
im urogenitalen Bereich (viszerale Osteopathie):
Menstruationsbeschwerden, Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung und -nachsorge, klimakterische Beschwerden, Infertilität
in der Kinderheilkunde (parietale, viszerale und kraniosakrale Osteopathie)
geburtsbedingte Schädel- und Gesichtsverformungen, Schiefhals (Kiss-Syndrom), Skoliose, Hüftdysplasie, Spuckkind, Entwicklungsverzögerungen, Lern- und Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Behinderungen (beglei-tend).
Grenzen
Die Grenzen der Osteopathie liegen dort, wo die Selbstheilungskräfte den Körper nicht mehr gesunden lassen. Die Osteopathie ist auch keine Notfall-medizin, die in lebensbedrohlichen Situationen rettend eingreifen kann.
Schwere und akute Erkrankungen müssen erst einmal schulmedizinisch be-handelt werden. Sind Strukturen zu Schaden gekommen, wie etwa bei Brü-chen, Verletzungen oder Wunden, dann müssen auch diese erst schulmedi-zinisch versorgt werden.
Seelische Erkrankungen gehören nicht in die Hand eines Osteopathen. Bei Infektionen, wie bakteriell bedingten Entzündungen ist das Wiederherstel-len von Bewegung nicht angezeigt, weil sich damit die Infektion verbreiten kann. Befinden sich Fremdkörper im Organismus (z.B. Spirale bei der Frau) oder Ablagerungen wie Nieren- und Gallensteine, dann kann die manuelle Behandlung Schmerzen verursachen oder gar zu inneren Verletzungen füh-ren. Daher ist eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte (Anamne-se) vor einer osteopathischen Behandlung sehr wichtig. Der Osteopath muss genau wissen, an welchen Beschwerden sein Patient leidet und welche Er-krankungen er bereits gehabt hat. Nicht selten benötigt ein Osteopath dazu Befunde aus der klinischen Diagnostik wie Röntgenbilder oder Laborwerte. Sie helfen ihm, seine eigenen Möglichkeiten als Osteopath einzuschätzen. Stößt er dabei an seine Grenzen wird er seinen Patienten zum Facharzt oder Fachtherapeuten weiterschicken.
Osteopathie in Deutschland
Die Geschichte der Osteopathie in Deutschland ist relativ jung: In den 1950er Jahren hatten vereinzelt Heilpraktiker angefangen osteopathische Techniken zu praktizieren, die sie im Ausland erlernt hatten. Die eigentliche Verbreitung begann erst Ende der 1980er Jahre. Osteopathie-Schulen, vorwiegend aus Frankreich und Belgien, gründeten deutsche Niederlassungen, an denen bis heute Physiotherapeuten sowie Ärzte, Heilpraktiker, Masseure und medizini-sche Bademeister die Osteopathie berufsbegleitend erlernen.
Der VOD
1994 wurde der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) in Wiesbaden gegründet. Eines seiner Ziele ist die Anerkennung des Osteopathen als ei-genständiger Beruf. Denn in Deutschland sind weder der Beruf des Osteo-pathen noch dessen Ausbildung staatlich geregelt. Zudem gilt die Osteo-pathie als Medizin und darf daher nur von Ärzten oder Heilpraktikern aus-
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geübt werden. Wer weder Arzt noch Heilpraktiker ist, darf nur im so genann-ten Delegationsverfahren, also auf Anweisung eines Arztes oder Heilprakti-kers, osteopathisch arbeiten.
Da eine staatliche Regelung fehlt, betreibt der VOD Qualitätssicherung im Interesse der Patienten. Dazu führt der Verband unter anderem eine Thera-peutenliste. Sie enthält ausschließlich Mitglieder, die als langjährig ausgebil-dete Osteopathen zertifizierte Fortbildungskurse besuchen.
Zudem hat sich der VOD den Titel D.O. als Marke schützen lassen. Diese Marke erhalten nur Mitglieder, die nach ihrer Ausbildung eine wissenschaftli-che Thesenarbeit erstellen. Für Patienten bildet die Marke das höchste Quali-tätsmerkmal bei der Suche nach einem qualifiziert ausgebildeten Osteo-pathen. Andere osteopathische Einrichtungen
Nach Gründung des VOD entstanden in Deutschland auch osteopathische Ärztegesellschaften, die Mediziner und Physiotherapeuten in Osteopathie ausbilden. 1998 wurde in Schlangenbad, Wiesbaden, die erste Vollzeitschule für Osteopathie gegründet. Ihr Ausbildungsangebot richtet sich vor allen an Abiturienten. Mittlerweile gibt es in Deutschland über 20 verschiedene Osteopathie-Schulen. Die meisten von Ihnen sind in der in 2004 entstandenen Bundesar-beitsgemeinschaft Osteopathie (BAO) organisiert. Die BAO wurde vom VOD mitgegründet. Durch sie konnten die unterschiedlichen Ausbildungen der ein-zelnen Schulen auf ein deutschlandweit einheitliches Lehrprogramm angegli-chen werden.
Beim Osteopathen in Behandlung
Nach ausführlicher Anamnese erfolgen Diagnose und Therapie ausschließlich mit den Händen. Der Osteopath kann bei der Untersuchung das menschliche Gewebe Schicht für Schicht ertasten. So spürt er Bewegungseinschränkun-gen und Spannungen auf, die er mit speziell für die Osteopathie entwickelten Techniken behandelt.
Eine osteopathische Behandlung dauert durchschnittlich 50 Minuten. Der Körper kann etwa zwei bis drei Wochen lang auf eine osteopathische Be-handlung reagieren, so dass eine erneute Behandlung meist erst nach dieser Zeit sinnvoll ist.
Jede neue Therapiesitzung wird individuell auf die Symptome des Patienten abgestimmt. Nach viermaliger osteopathischer Behandlung sollte eine deutli-che Besserung der Beschwerden erzielt worden sein.
Kosten Die Osteopathie ist im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen nicht enthalten. Die privaten Krankenversicherungen übernehmen die Be-handlungskosten teilweise. In jedem Fall ist anzuraten, vor Beginn einer oste-opathischen Behandlung Kontakt zur jeweiligen Krankenkasse aufzunehmen und die Frage der Kostenübernahme zu klären. Ärzte und Heilpraktiker rech-nen die osteopathischen Leistung nach den eigenen berufsständischen Ge-bührenordnungen ab. Für eine Behandlung mit ausführlicher Anamnese, Un-tersuchung und Behandlung mit unterschiedlichen osteopathischen Techni-ken liegen die Kosten zwischen 60 und 100 Euro.
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Adresse:
Verband der Osteopathen Deutschland e.V. (VOD)
Untere Albrechtstr. 15
65185 Wiesbaden
www.osteopathie.de
Für Presseanfragen:
Presseteam des VOD
logos medienbüro
Widenmayerstr. 42
80538 München
Tel.: 089-97 600 915
Fax: 089-97 600 916
E-Mail: presse@osteopathie.de
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Donnerstag, 12. Februar 2009

Geschenkidee : Duftöle zur Entspannung

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